Wie überwintere ich meine Ameisen?

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  • Wie überwintere ich meine Ameisen?

    Dieser Guide behandelt die von vielen Anfängern vielseits gefürchtete Winterruhe. Dabei ist alles halb so schlimm! Die Winterruhe muss auf jeden Fall bei einheimischen und vielen südeuropäischen Arten eingehalten werden, da die Folgen recht drastisch sein können, wenn dies nicht geschieht. Dies sind z.B. erhöhtes Larvensterben, die fehlende Ausbildung von Geschlechtstieren und nach wiederholtem nicht-Überwintern auch der langsame Tod der Kolonie. Das kann keinesfalls im Sinne eines Halters liegen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Winterruhe eingehalten wird, auch wenn es langweilig ist.

    Wie also läuft die Winterruhe ab?
    Zu allererst muss klargestellt werden, dass es ein paar wenige Arten wie die heimischen Camponotus ligniperdus und herculeanus gibt, die einen sog. endogenen Rhythmus verfolgen. Das heißt diese Arten entscheiden selbst und temperaturunabhängig, wann die Winterruhe für sie beginnt. So kann z.B. auch eine verfrühte Winterruhe Ende August der Fall sein.

    Die meisten Arten jedoch reagieren als wechselwarme Tiere schlicht auf eine Temperaturabsenkung. Das Nest wird also vom Halter zunächst in der kalten Jahreszeit (bei einheimischen Arten dauert die Winterruhe ca. von Oktober bis März) in einen etwas kühleren Raum gestellt (z.B. Treppenabgang oder andere wenig geheizte Räume), um die Ameisen langsam an tiefere Temperaturen zu gewöhnen. Letztendlich "lagert" man sie bei Temperaturen von höchstens 10°C, besser niedriger. Frostige Minusgrade sollten aber vermieden werden. Südeuropäische Ameisen werden bei höheren Temperaturen überwintert. Dies wäre die Wintertemperatur des Heimatlandes. Hier sollte man sich individuell informieren.

    Es ist auch darauf zu achten, dass der Nestbereich feucht bleibt. Das ist sehr wichtig und ein Austrocknen führt oft zum Tod der Kolonie, ebenso wie ungewollte Überschwemmungen. Auch sollte man sie natürlich nicht dauerhaft luftdicht lagern. Ytong z.B. ist zwar luftdurchlässig und Ameisen brauchen auch nur wenig Sauerstoff, aber auf die Dauer können auch sie ersticken, falls keine Luftzufuhr gewährleistet ist. Deswegen sollte man das Nest auch in der Winterruhe regelmäßig kontrollieren, auch wenn die Ameisen in dieser Zeit so ziemlich gar nichts machen und deswegen wohl recht langweilig sind ;)

    Eine Nahrungszugabe ist in der Winterruhe nicht nötig.
    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

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  • Wo kann man die Ameisen überwintern?
    Am einfachsten ist die Überwinterung im Kühlschrank. Man braucht kein Isolierendes Material und die Temperatur bleibt konstant und ist für die Überwinterung perfekt (5-8°C). Auf eine ausreichende Befeuchtung muss aber unbedingt geachtet werden, ansonsten droht die Vertrocknung der Kolonie. Die Vibrationen des Kühlschranks schaden übrigens nicht, vorausgesetzt der Kühlschrank stammt nicht aus den 60iger Jahren. Zur Sicherheit kann man, wenn man will, eine weiche Schaumstoffmatte unter dem Nest platzieren, um die Vibrationen abzufangen.

    Eine andere Methode ist die Überwinterung auf der Terrasse oder dem Balkon. Hier ist eine Styroporbox zur Isolierung wichtig, denn sonst kann es vorkommen, dass es nachts zu kalt wird (<0°C) und tagsüber zu warm(>10°C). Eine Styroporbox kann man sich ganz einfach selber bauen oder man nimmt die Styroporboxen, in denen Pizzen usw. warm gehalten werden. Man sollte auf jeden Fall auch auf eine ausreichende Belüftung achten, das heißt, nicht jeder kleinste Spalt muss zugespachtelt werden. Bei zu viel Belüftung geht die Isolierung der Kiste flöten, also aufpassen und vorher testen! Die Dicke der Styroporwand sollte ca. 3-5cm betragen. Wer in den Alpen überwintert sollte die Wand lieber dicker gestalten ;)

    Eine weitere Alternative zu den oben genannten Möglichkeiten ist der Keller, der Dachboden oder die Garage. In diesen Räumlichkeiten ist eine Isolierung meistens nicht von Nöten, da die Temperaturen dort meist nicht sehr stark schwanken. Sollte es doch mal für längere Zeit sehr kalt oder warm werden empfiehlt sich auch hier eine Styroporbox zur Isolierung. Eine zusätzliche Kühlung/Erwärmung ist dann oft auch nötig. Mehr dazu weiter unten.

    Beispielbilder:
    [IMG:http://picmirror.de/thumb.php/45056_3245.jpg]
    Überwinterung von Gründungskolonien im Kühlschrank

    [IMG:http://picmirror.de/thumb.php/45052_img_4373.jpg]
    Überwinterung von drei Kolonien in einer Styroporbox auf der Terrasse

    [IMG:http://picmirror.de/thumb.php/45077_img_0832.jpg]
    Überwinterung in einer Styroporbox (Danke an palk für den Link)

    Überwinterung im RG
    Befindet sich die Kolonie noch in einem RG ist die Überwinterung im Kühlschrank am leichtesten und sichersten. Das RG nimmt nicht viel Platz weg und im Kühlschrank sinken die Temperaturen nicht unter 0°C. Besonders bei RGs muss man darauf achten, dass die Temperatur nicht unter 0°C fällt, denn sonst besteht die Gefahr, dass der Wassertank platzt oder das Wasser die Watte nach vorne/oben schiebt und zu der Kolonie vordringt und im schlimmsten Fall dort sogar gefriert. Bei der Überwinterung in einer Styroporbox oder in der Garage/im Keller/auf dem Dachboden sollte also unbedingt auf eine ausreichende Isolierung geachtet werden und im Notfall sollte man mit Wärmeakkus nachhelfen!

    Was kann ich tun, wenn die Temperatur während der Winterruhe zu weit fällt oder zu sehr ansteigt?
    Zu Beginn und zum Ende der Winterruhe liegen die Temperaturen am Tag oft weit über 10°C. Im tiefsten Winter kann es Vorkommen, dass die Temperaturen für längere Zeit weit unter 0°C fallen. In diesen Fällen empfehlen sich Kühlakkus bzw. Wärmeakkus. Kühlakkus kennt jeder aus der Gefriertruhe oder als Kühlung bei Sportverletzungen. Sie sind entweder mit Gel oder mit Wasser gefüllt. Wärmeakkus sind entweder Kühlakkus gefüllt mit warmem/heißem Wasser oder aber 0,5l PET-Flaschen gefüllt mir warmem/heißem Wasser. Je nachdem, wie sehr gekühlt oder gewärmt
    werden soll, stellt man ein Akku, zwei oder drei in die Styroporbox bzw. macht das Wasser heißer/nicht so heiß. Ob es zu kalt oder zu warm ist, kann man am besten mit einem Funk-Thermometer überwachen. Je nach Größe der Akkus und je nach Temperatur des Wassers in der Flasche/dem Akku, muss man oft oder nicht oft erneuern. Ob die Wirkung noch anhält, sollte man auch hier mit einem Thermometer überprüfen. Besonders die mit warmem Wasser gefüllten Flaschen verlieren schnell wieder an Wärme und müssen oft erneuert werden.
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