Diskussion zu Rhaxus´Versuch der Integration einer sozialparasitären Königin

07.05.2021
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  • Diskussion zu Rhaxus´Versuch der Integration einer sozialparasitären Königin

    Hab mir mal erlaubt, eine Diskussion zu deinem Thema starten, Rhaxus. Finde das Experiment sehr stark und dass es anscheinend geklappt hat ist wunderbar.

    Ohne es mit Sicherheit sagen zu können: Vermutlich verwirrt die sozialparasitäre Gyne die Arbeiterinnen durch Pheromone, um sie dann zu berühren. Das dient dann der Geruchsaufnahme. Sie dringt in das feindliche Nest ein und die Arbeiterinnen merken, dass etwas fremd ist, da der Gyne noch ein anderer Geruch anhaftet. Also wird sie natürlich "streng untersucht".
    Was mich interessieren würde ist, ob die Gyne nun anfängt Eier zu legen, da ja immerhin das Töten der Feindkönigin unterblieben ist. Evtl. ist das erst ein Auslöser für die Gründung? Ist nur eine Vermutung von mir aufgrund Beobachtungen von Lasius fuliginosus, die auch nach Zugabe von Arbeiterinnen keine Eier legten.

    Werde das mit Spannung weiterverfolgen.
    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amazing Ralph ()

  • ice_trey schrieb:

    hab mir mal erlaubt, eine Diskussion zu deinem Thema starten,
    :danke:

    Eigentlich wusste ich nichts über die Anwendung gewisser Pheromone. Dachte eher dass sie eine tote Arbeiterinn vor sich herschleppt als tarnung, war aber nicht so.
    Falls sie Eier legt ist das nur schwer zu entdecken, im RG herrscht ein gewisser "Wuselfaktor".
    Jedenfalls liegen noch ein paar Larven drin von der Vorgängerin, das reicht vielleicht um sie dazu zu bewegen mit ihrer Brut anzufangen.
    Liebe ist, einem 120 km entfernten Ziel mit einem Aratek-Präzisionsgewehr und einem Tri-Light-Zielfernrohr die Kniescheiben zu zertrümmern!
    (HK-47 xD)
  • Wie schon gesagt, das ist reine Vermutung, weil ich mir so das Ausbleiben von Kämpfen mit den Arbeiterinnen, deren Geruch sie annahm, erkläre. Genau weiß ich das aber nicht, vll spuckt das AmeisenWiki über sozialparasitäre Gründungen etwas raus, das uns da weiterhilft?
    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
  • Großartiger Bericht bis jetzt. Das nenn ich spannend! Soweit ich weiß gibt es so einen Bericht hier bei uns noch nicht, du schreibst also den Premieren Bericht ;) Auch ich will irgendwann mal ein Gyne sozialparasitärisch gründen lassen.

    Ich hoffe deine Königin legt nun fleißig Eier. Viel Glück!
    Micky
    Micky's Lasius niger - Mein Haltungsbericht - Der langlebigste hier im Forum und immer up to date! > (Diskussion)
  • Hier hab ich´s!

    AmeisenWiki schrieb:

    Die abhängige Koloniegründung durch temporären Sozialparasitismus
    Die Königinnen vieler Arten sind nicht in der Lage selbstständig eine Kolonie zu gründen. Sie benutzen hierfür stattdessen die unfreiwillige Unterstützung einer anderen Art. Frisch begattet suchen sie eine bereits bestehende Kolonie einer fremden (meist eng verwandten) Art. Durch verschiedene Tricks und Täuschungsmanöver, die fast immer auf der Basis von Geruchsstoffen (Pheromonen) funktionieren, gelingt es der Königin in die fremde Kolonie einzudringen, ohne dass sie als Fremde erkannt wird. Manchmal zerbeißt sie hierzu eine Arbeiterin, wohl um deren Geruch anzunehmen. Im Nest einmal akzeptiert arbeitet sie sich bis ins Herz der Kolonie vor


    Entnommen aus AmeisenWiki- Gründung

    Hab ich richtig gemutmaßt :]
    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
  • Ich gehe mal davon aus, dass die Königin sofort anhand des Kolonieduftes "davon im Bilde war", dass die Ameisen weisellos sind. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, weshalb sie keine Arbeiterin getötet hat, um sich mit deren Geruch einzureiben. Da die eigene Königin fehlt, sind die Arbeiterinnen sehr viel toleranter in Bezug auf die Übernahme durch eine sozialparasitische Königin.
    Bei der Kolonieübernahme durch eine Lasius-umbratus-Königin, verhält diese sich völlig passiv, wenn sie von den Wirtsarbeiterinnen angegriffen wird. Schnell haben die Arbeiterinnen größtes Interesse an der Gasterspitze der Königin und belecken diese intensiv. Nach 100 Minuten wird die Königin voll akzeptiert und intensiv gefüttert. Die Gaster der L.-umbratus-Königin ist dann schnell angeschwollen. Am nächsten Tag wird sie deutlich gegenüber der Wirtskönigin bevorzugt. Die L.-niger-Königin wird entweder durch die L.-umbratus-Könign mittels sehr effektiven Mandibeleinsatzes getötet oder durch die Arbeiterinnen, die ihre eigenen Töchter sind. Nachzulesen im Seifert 2007.
  • Hi,

    ist ja recht gut gegangen. Könnte auch etwas wilder zugehen, so beschreibt z.B. Karl Hölldobler, dass das Weibchen nach dem Eindringen in das Wirtsnest angegriffen wurde, bzw gestreckt (an allen Exkremitäten gezogen). Zehn Minuten später hat das aber aufgehört.

    Sobald Du mehr Arbeiterinnen der Chthonolasius als die der L. niger hast, werden sie ihre ehemaligen Hilfsameisen töten; Als eine Rettung eines Volkes kann man Dein Versuch also nicht sehen :D Das ist auch der Grund, warum man in der Natur relativ selten gemischte Völker vorfindet. Die Lasius niger dienen wirklich nur zur Gründung. Übrigens kann es sein, dass Chthonolasius auch aktiv andere Lasius Völker angreifen, evtl. unterirdisch. Ist aber soweit ich weiß noch nicht nachgewiesen.
    Übrigens schreibt Hölldobler auch, dass wenn man eine Lasius niger Königin und eine Lasius umbratus Könign zusammenhällt, das das L. niger Weibchen Nachwuchs aufzieht, dieser jedoch danach die eigene L. niger Königin tötet (aus: Beobachtungen über die Koloniegründung von Lasius umbratus).

    Sozialparasitäre Gründungen sind sehr interessant; Bitte weiter berichten!

    Kannst Du beobachten, dass die Königin besonders viel im Vergleich zur vorherigen niger-Königin geputzt wird?
    Grüße, Phil
  • Sobald Du mehr Arbeiterinnen der Chthonolasius als die der L. niger hast, werden sie ihre ehemaligen Hilfsameisen töten
    Ich dachte immer die Wirtsameisen sterben langsam aus da nurnoch "parasitäre" Brut nachkommt ?

    und das mit der Rettung der Kolonie sehe ich so das die Kolonie der Gedanke an selbstlosen Zusammenhalt ist, und der bleibt ja bestehen auch wenn irgendwann keine Wirtsameisen übrig sind. Die Arbeiterinnen wechseln, aber die Kolonie existiert beständig weiter. :think:
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  • Ob Rettung oder nicht, jedenfalls haben sie nun wieder ein Oberhaupt :D

    Und ja, die neue Königin wird andauernd gepflegt, extrem viel mehr als die Vorgängerin.
    Es stehen stehts um die 10 Arbeiterinnen um ihr und versorgen sie, wahrer Luxus ;)
    Auch Nahrung wird ihr häuffig angeboten.
    Muss schon sagen dass es sehr interessant ist den ganzen Vorgang zu beobachten.
    Liebe ist, einem 120 km entfernten Ziel mit einem Aratek-Präzisionsgewehr und einem Tri-Light-Zielfernrohr die Kniescheiben zu zertrümmern!
    (HK-47 xD)
  • @Skrag; Ja, steht so in der Arbeit von Karl Hölldobler. Ist zwar schon sehr alt, jedoc sehe ich keinen Grund daran zu zweifeln.

    @Rhaxus: Ich habe gefragt, weil Hölldobler genau das beschreibt; Er stellt sogar die Theorie auf, dass das eine der Taktiken zur Adoption ist, den natürlichen Pflegeinstinkt zu wecken, und sich dauernd putzen zu lassen. Übrigens scheint die Königin dann nach einiger Zeit richtig vollgefüttert zu werden, neigend zu physogastrie.
    Bin weiterhin gespannt.

    Grüße, Phil
  • Für mich ist das mit das Spannenste, was ich seit langem in den div. Foren lesen durfte. Dass die Parasitenkönigin extrem mehr gepflegt wird als die verstorbene L.-niger-Königin kann nur als ein Indiz für die Abgabe von Pheromonen gewertet werden. Seifert schreibt hierzu allgemein zum Sozialparasitismus folgendes, was sicher auf Lasius umbratus zutreffen mag:
    ... Es können zum einen Pheromonsysteme vorhanden sein, die eine hohe duftliche Dominanz und Attraktivität der Parasitenkönigin bewirken. Ist diese durftlich mächtiger als die Wirtskönigin, wird diese in der Eindringphase weniger heftig angegriffen und später von den Wirtsarbeiterinnen bevorzugt gepflegt und gefüttert und erreicht dadurch eine hohe Nachkommenzahl. Sie kann sogar so stark bevorzugt werden, daß die Wirtsarbeiterinnen ihre eigene Mutter umbringen oder aus dem Nest werfen. ... Seifert 2007 Seite 43.
    Zur Tötung der Wirtsarbeiterinnen durch Lasius umbratus schreibt Seifert:
    ... Erste umbratus-Arbeiterinnen schlüpfen im Mai/Juni des nächsten Jahres. Sobald diese in größerer Zahl vorhanden sind Tötung und Verfütterung der restlichen Wirtsarbeiterinnen, die spätestens nach 14 Monate nach Parasitierung vollständig verschwunden sind. ... Seifert 2007 Seite 283.
  • Hi,


    Entweder hat sie sehr viel Nahrung aufgenommen,
    und/oder es entwickeln sich mehr Eier (Vorbereitung zur eigenen Brut)


    Das "und" stimmt. Wie ich schon geschrieben habe, jetzt wird sie physogastrisch. Dann freue Dich mal auf Eier :D

    Grüße, Phil

    EDIT: OK, Smaug, dann verges ich mal das "i" schnell wieder :D
  • Pi.Ag3 schrieb:

    ... Wie ich schon geschrieben habe, jetzt wird sie physiogastrisch. Dann freue Dich mal auf Eier :D ...
    Es heißt richtig physogastrisch - ohne "i" hinter dem "s".

    Edit: Der letzte Eintrag im Bericht ist schon über 2 Wochen her. Lebt die Königin noch?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Smaug ()

  • Jop, die Königin sitzt immernoch im RG und wird von nem Haufen Arbeiterinnen gepflegt.

    Hab nicht vergessen zu berichten, hat sich nur nichts geändert.

    Aktualisier trotzdem mal den Bericht ;)

    gruss
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  • Pi.Ag3 schrieb:

    Eier legen wird sie erst nach der Winterruhe.

    Joa, sehr wahrscheinlich ganz sicher hast du Recht.
    Wär jetzt selbst nicht auf die logische Idee dahinter gekommen (bin wohl doch noch Anfänger :schaem: )
    :ironie: Werde dann an Ostern wieder Eier suchen.

    gruss
    Liebe ist, einem 120 km entfernten Ziel mit einem Aratek-Präzisionsgewehr und einem Tri-Light-Zielfernrohr die Kniescheiben zu zertrümmern!
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  • "Sie kleben regelrecht an ihr fest, selbst auf ihrem Rücken sitzt eine und will nicht mehr runter."

    "Im direkten Vergleich von Früher zu Heute könnte man meinen, dass der
    olle Hausdrache ausgezogen ist und eine Gottheit dessen Platz
    eingenommen hat."

    :huepf:


    Sehr schöner Bericht!

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Newbie1 ()

  • Bei dem wir alle auf Fortsetzung im Frühjahr warten und zwar sehr gespannt, weil das doch recht selten ist mit sozialparasitären Königinnen in der Haltung ;)
    Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
  • Ich habe ebenfalls eine sozialparasitäre Lasius spec. zusammen mit ein paar abgezweigten Arbeiterinnen einer Lasius cf. flavus Kolonie. Die Gyne hat bisher auch seit Ende der Winterruhe keinerlei Eier gelegt, vielleicht dauert es bei denen etwas länger bis sie loslegen da das vorher ignorierte Protein endlich gerne angenommen wird (aber Eier sind noch keine da). Genaueres weiss ich leider auch nicht (aber währe ebenfalls interessiert etwas darüber zu erfahren).

    lG
    Skrag
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