Erfahrungsbericht: Korkschrot

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    • Erfahrungsbericht: Korkschrot

      Hallo zusammen,

      heute möchte ich euch über meine Erfahrungen mit Korkschrot berichten.

      Korkschrot wird, wie normaler Kork auch, aus der Unterrinde des Korkbaumes gewonnen. Teilweise stammt der Schrot auch aus dem Korkrecycling.
      Das Granulat ist in verschiedenen Größen erhältlich. Auch Korkpulver kann man im Handel erwerben, da ich dieses jedoch noch nicht gestestet habe, beschränke ich mich auf die Granulatform.

      Als ich vor einigen Wochen den Korkschrot im Fachhandel entdeckte, fragte ich mich, ob man diesen nicht als Substrat und Nestfüllung, gerade für holzbewohnende Arten, verwenden könne.
      Auf der Rückseite der Verpackung wurde auch damit geworben, dass man verunreinigten Kork mit heißem Wasser auswaschen könne und er somit wiederverwendbar sei.


      [Blocked Image: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hBqDKTPjL.jpg]
      Bildquelle: Amazon.de

      Ich erwarb also eine Packung und stellte belustigt fest, dass auch Fingolfin zu dieser Zeit die Frage postete, ob jemand Erfahrungen mit Korkschrot gesammelt hätte.
      Wir sprachen uns ab, dass wir über die Erfahrungen nach einiger Zeit berichten wollten.

      Zuersteinmal siegte das Misstrauen über die Korkwirtschaft. Sowohl Fingo, als auch ich, fragten uns, ob der Kork, den wir erworben hatten überhaupt unbehandelt war, oder inwiefern Insektizide beim Anbau zum Einsatz kamen. Auch wenn ich einwarf, dass Kork aus der Unterrinde des Korkbaumes gewonnen wird und somit eigentlich keinen direkten Kontakt zu Insektiziden haben sollte, wusch auch ich vor Verwendung zur Sicherheit meinen Korkschrot gründlich aus.
      Hierzu bietet sich ein großes Küchensieb mit feinen Löchern an. Der Kork verliert beim Auswaschen deutlich an Farbe - eine ganze Menge dunkler Korkstaub wird abgewaschen. Das Auswaschen selbst ist leider sehr wasserintensiv und unter Umständen veranstaltet man eine große Sauerei. Hinterher liegt einem jedoch feuchtes, nun etwas helleres und sauberes Granulat vor.

      Dieses stellte ich zum Trocknen, in einer Schüssel gelagert, in die Sonne. Hier stellte ich die erste erfreuliche Eigenschaft von Korkgranulat fest: Obwohl die oberen Schichten recht schnell trockneten, dauerte es trotz mehrmaligen Wendens in der hohen Schüssel fast 2 Wochen, bis der gesamte Kork trocken war!
      "Warum Vorteil, das ist doch furchtbar?", fragt sich nun der Ein oder Andere.
      Ich sehe das nicht so. Zum Trocknen sollte man den Kork lieber plan auslegen, z.B. auf einem Stück Folie. So trocknet er sehr schnell ab.
      Die feuchtigkeitsspeichernde Funktion des Korks (der mich sehr erstaunte) ist jedoch perfekt für den Einsatz im Nestbereich geeignet. Als Substrat in einem geschlossenen System - so z.B. zum Auffüllen von Kammern in Ytongnestern - sollte sich Feuchtigkeit sehr lange halten, was das Wässerungsintervall verlängert. Der Halter wird sich freuen, denn er kann sicher sein, dass die Kammern auch noch Feuchtigkeit aufweisen, wenn der restliche Ytong schon trocken geworden ist - denn der Kork hält diese wirklich erstaunlich gut.

      Der zweite Einsatzort des Korkgranulats befindet sich in der Arena. Als Bodengrund ist er mMn sehr gut geeignet. Hier bietet sich besonders feines Granulat an. Die Ameisen entdecken das Granulat sehr schnell als Baustoff. Meine Camponotus lateralis hatten über eine Nacht bereits den gesamten Eingang ihres Reagenzglases mit dem Granulat zugebaut, was z.B. bei Aquarienkies nicht der Fall war. Der klare Vorteil des Granulats liegt hier in seiner kantigen Struktur bei geringem Gewicht. Die Ameisen können dieses Material sehr gut verwenden.
      Einziger Nachteil: Braune Arten werden sich nicht besonders gut vom Bodengrund abheben, da der Kontrast zwischen Ameise und Kork hier nicht besonders hoch ist.

      Alles in allem kann ich für meinen Teil das Korkgranulat - jedenfalls nach der kurzen Einsatzzeit von wenigen Wochen - nur empfehlen und kann ihn mir sehr gut als Alternative zu herkömmlichen Substraten wie Sand-Lehm-Mischungen als Nestfüllung oder Bodengrund vorstellen.


      @Fingolfin: Vielleicht möchtest du uns auch noch deine bisherigen Erfahrungen mitteilen :)
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Ich kann den Bericht nur bestätigen.
      Gerade die Baueigenschaften des Kork werden super angenommen. Die Meisen sind begeistert und ich auch.
      Auffallend ist jedoch der sehr starke Eigengeruch des Kork, gerade im feuchten Nest. Die Kleinen stört es nicht, also bin ich zufrieden.

      Also kurz, das hat sich sehr gelohnt
      Nichts in der Natur geschieht einzig, um den Menschen zu erfreuen
    • Ja, das stimmt. Gerade der feuchte Kork riecht etwas - aber ich finde das nicht unangenehm. Es "korkelt" eben. Auf jeden Fall riecht das Zeug besser und weniger aufdringlich als manche Futtertierzucht, ich finde z.B. Wachsmaden riechen widerlich ^^
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    • Hmmm... also trocken und lose würde ich das nicht einfüllen. Das bricht zu schnell zusammen, denke ich. Wie das feucht ist, kann ich noch nicht sagen, werd ich aber mal testen.
      Die Ameisen nutzen das Zeug sehr sehr gerne, auch meine Crematogaster scutellaris sind wie wild am herumschleppen - wenngleich vollkommen planlos, was sie vor haben wissen auch nur sie selbst, ein höherer Snn lässt sich jedenfalls nicht erkennen^^
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    • Ich möchte das Thema nochmal pushen, immerhin ist die Saison bald um und inzwischen genug Erfahrung damit da.


      Ich bin nach wie vor begeistert von den Möglichkeiten von diesem Schrot. Meine Meisen lieben es.
      Den lieben langen Tag schaffen sie die immergleichen Schnipsel von einer Ecke in die andere, bauen hier einen Hügel und da wird er wieder abgetragen.
      Total aus dem Häuschen sind sie, wenn ich neuen Schrot in der Arena verteile. Dann wird geackert und geschleppt.

      Auch feucht wird er gerne genommen. In ein kleines Schälchen gefüllt (nicht viel, nur etwas), alles schön feucht gemacht und angeboten. Darin können sie ihren Grabtrieb ungehindert ausleben und bauen ganz ansehnliche Kontruktionen. Sobald alles trocken und eingestürzt ist (gefahrlos, denn das Zeug ist superleicht), wird es fleissig anderweitig verwendet.

      Dadurch hat sich auch die Anzahl der Ausbruchsbemühungen gegen Null entwickelt.

      Nicht geeignet ist Kork allerdings für alle, die ihre Arenen sauber und aufgeräumt mögen.

      Also, einfach mal für nächstes Jahr einplanen. Es lohnt sich unbedingt.
      Nichts in der Natur geschieht einzig, um den Menschen zu erfreuen
    • Dann nichts wie auf zum Korkhändler, Ich überlege schon seit Tagen, welchen Bodengrund Ich für meine Camponotus in die Arena streue.
      Dazu vielleicht noch ein paar Fichtennadeln und fertig ist das Waldhabitat
      Alma Mundi @ work
    • Ich benutze das Zeug immer noch, wird sehr gerne verwendet und von den Ameisen auch sehr gerne umgeschichtet und herumgetragen, wie eben auch Sand und Co. Momentan hatte ich das z.B. als Füllung für die Kammern eines Korknests, sodass die Ameisen sich quasi "durchgraben" konnten. Auch um ihren Nesteingang zu verkleinern haben sie es schon genutzt.

      Das Korkgranulat gebe ich aber auch zu gründenden Gynen, die z.B. gerne in Holz nisten, um ihnen etwas mehr zu bieten als das glatte RG-Glas. Zudem können die Larven sich dann tendenziell etwas besser verpuppen, da sie Halt haben - zu Nacktpuppenbildung ist es noch nicht gekommen (also bei Arten, die eigentlich Kokonpuppen haben sollten versteht sich ;) ).

      Es gab auch nie Schimmelbildung, auch wenn es dauerfeucht war. Bisher habe ich allgemein noch nie negative Auswirkungen beobachten können, kann es also für diverse Zwecke empfehlen.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Ich hab Mir jetzt einen mittelgroben bestellt, so 2-5/6 mm, obwohl er Mir etwas größer vorkommt.
      Kam heute an, habs erstmal gewaschen und zum trocknen auf den Balkon gestellt.

      Werd dann demnächst mal die Arena befüllen und und die Tiere einsetzen.
      Wenn Ich was beobachte, schreib Ich meine Erfahrungen hier rein


      Beste Grüße und schön gesund bleiben,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Bei mir ist es auch so 2-4mm großes Granulat. Ich persönlich würde auch feineres präferieren, da sehr grobes Granulat große Lücken lässt - je feiner, desto geringer ist der Luftanteil zwischen den Stückchen. Kommt natürlich immer auf den Einsatzzweck an, aber zu große Stückchen sind finde ich eher unpraktisch, da für die Ameisen auch schwerer transportabel etc.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Nabend Leute,

      Ich will hier mal ein kleines Update geben.
      Das Korkschrot bewährt sich wirklich sehr gut.
      Meine Camponotusgyne war mit den angebotenen Holzspänen in ihrer Gründungskammer nicht so zufrieden,
      aber das Korkschrot hat sie bergeweise in die Kammer eingetragen, um alle Durchgänge möglichst klein zu halten.
      Durch das geringe Gewicht konnte sie es auch ordentlich auftürmen, um eine richtige Ein- bzw. Ausstiegsrampe anzulegen.

      Zudem habe Ich einigen frisch gefangenen Lasius niger Gynen einige Stücke in die RGs gelegt.
      Es ist deutlich zu beobachten, dass sie lieber auf dem Kork sitzen und auch dort ihre Eier ablegen.

      Sobald die Camonotuskolonie größer ist, werde Ich es ihnen auch als Bodensubstrat anbieten, da werde Ich dann wahrscheinlich auch mit verschiedenen Korngrößen experimentieren.

      Das Zeug kann Ich jedem wärmstens ans Herz legen. Vor allem, für holzbewohnende Arten ist es auch thematisch sehr passend.
      Dazu ist es auch recht günstig.
      Und durch die geringe Dichte von Kork kriegt man auch sehr viel Fläche bzw. Raum gefüllt, ohne es sich kiloweise besorgen zu müssen.

      Ich habe Mir anfangs einen 500g Beutel besorgt und weiß nicht wohin mit all dem Kork.


      Beste Grüße und schön gesund bleiben,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Amazing Ralph wrote:

      Sobald die Camonotuskolonie größer ist, werde Ich es ihnen auch als Bodensubstrat anbieten, da werde Ich dann wahrscheinlich auch mit verschiedenen Korngrößen experimentieren.
      Ich persönlich würde kleineres bevorzugen. So bilden sich kaum Ritzen, in die Eier ungewollt verschwinden können. Das Zeug klebt feucht auch ganz gut zusammen, auch meine Camponotus herculeanus Gyne hat es aufgetürmt und generell schleppen es die Ameisen häufig durch die Gegend und "bauen" damit.



      Amazing Ralph wrote:

      Und durch die geringe Dichte von Kork kriegt man auch sehr viel Fläche bzw. Raum gefüllt, ohne es sich kiloweise besorgen zu müssen. Ich habe Mir anfangs einen 500g Beutel besorgt und weiß nicht wohin mit all dem Kork.
      Das stimmt, es ist wirklich sehr ergiebig, da sehr leicht. 500g sind also schon ein stattlicher Sack, denke ich.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
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      Freut mich, dass es bei euren Kolonien so Anklang findet :D

      Der Thread war ja schon einige Jährchen alt, aber das Zeug benutze ich auch immer noch sehr gern. Hält auch Feuchtigkeit relativ gut und feucht lässt es sich gut stapeln, was die Ameisen sehr gerne tun (in dem Fall auch Camponotus).

      Würde zwar nicht sagen, dass es ein Wunderzeug ist, denn wie ich mittlerweile sehen musste, kann auch Kork schimmeln (ist ja auch eigentlich logisch) - aber das passierte bei mir nur, weil er durch Futterreste kontaminiert war (und weniger das Granulat war betroffen, als zusätzlich genutzte Korkplatten).

      Letztendlich ist das Granulat aber sehr vielseitig nutzbar und die Ameisen lieben es, bisher alle Kolonien, jeglicher Art.
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