Sahal's Messor structor

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    • Sahal's Messor structor

      Eure Meinungen und Tips könnt ihr hier posten.

      Unterfamilie: Myrmicinae (Knotenameisen)
      Gattung: Messor
      Art: Messor structor
      Lebensraum: Südeuropa (Mittelmeer), teilweise auch Mitteleuropa
      Winterruhe: Oktober - März
      Königin: polygyn
      Arbeiterinnen: polymorph, Minor - Major und alle Zwischenstufen
      Koloniestärke: >1.000
      Nahrung: Körner, Samen süße Früchte, Honigtau, Insekten

      Der deutsche Name der Gattung Messor lautet âErnteameiseâ.

      Kleiner Exkurs:
      Der Gattungsname Messor wurde abgeleitet aus dem Umfeld der italischen âCeresâ, der Göttin des Ackerbaues:
      (Cerealien -> Getreide, Cervisia ->Bier)
      Der italischen Ceres wurden unter den Römern 12 Trabantengötter für die verschiedenen Aufgaben des Ackerbaus zugeordnet, der 9. Trabantengott wachte über die Tätigkeit der Schnitter (Ernter) und hieß Messor.
      Exkurs Ende

      Die in der Haltung bekanntesten Vertreter der Gattung Messor ( Genus Forel, 1890 ) sind barbarus (Linnaeus, 1767), capitatus ( Latreille, 1798 ) und structor ( Latreille, 1798 ).

      M. structor ist geringfügig kleiner als M. barbarus, polygyn und stark polymorph, es werden Minor und major mit starken Größenunterschieden gebildet, die großen Major erinnern eher an Soldaten. M. structor ist gleichmäßig schwarz glänzend gefärbt. In Deutschland kommt diese Art nur lokal im Rheingebiet vor.

      Wer Action braucht, sollte sich keine M. structor zulegen.
      Im Ganzen würde ich Messor structor als lahmarschig bezeichnen, sie können jedoch bei Bedarf an Tempo zulegen. Herrscht in anderen Nestern immer geschäftiges Treiben und Hektik, zeichnet sich diese Art durch Ruhe aus. Werde ich bei Lasius niger alleine vom Zuschauen ganz kribbelig, ist das Nest von M. structor entspannend und wirklich gut zu beobachten.
      Durch die schlechten Klettereigenschaften wirken diese Tiere dann und wann etwas unbeholfen, sind jedoch ausdauernd und zielstrebig.

      Zu Beachten: M. structor scheint gerne tauchen zu wollen, leider saufen sie ohne Atemgerät ab (oder korrekt ausgedrückt: sie ersticken). Und mit Vorliebe schmeißen sie sich bäuchlings in Honigwasser⦠klebt so schön. Eine Minor hat gar das Kunststück fertig gebracht, sich in einem Wassertropfen zu ersäufen.
      Echte Lemminge !
      Also entweder 24h mit nem Rettungskoffer daneben stehen, oder wirklich alle Flüssigkeiten absolut Messor-Sicher machen.

      Ok, und jetzt zum Bericht

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    • Ankunft, Nestbau

      Am 18.04. ist meine Kolonie Messor structor angekommen. Praktischerweise in ihrem Ytong-Nest, verpackt in einer Kunststoffkiste, gut ausgepolstert. Da das Nest beim Vorbesitzer offen an der Scheibe stand (Eine 2. Scheibe ist echt sinnvoll), wurden die Nestkammern mit einer Pappe abgedeckt. 3 Arbeiter, die sich nicht in ihrem Nest aufgehalten haben, waren in einem abgedunkelten RG beigelegt.

      Laut Vorbesitzer hat diese Kolonie sich bei Ihm vermehrt, also keine P(f)usch-Kolonie.
      Leider tauchen ja in der letzten Zeit vermehrt Berichte über unbegattete Gynen mit zugesetzter Brut auf⦠oder künstlich/optisch verjüngte Kolonien durch Entnahme bestimmter Kasten vor dem Verkauf.

      Logisch habe ich das Nest gleich geöffnet, um mir die Damen mal anzuschauen, zu zählen und Kontrolle über evtl. Transportschäden etc etc etc. Also reines Verantwortungsbewusstsein, natürlich ohne jegliche Neugierde oder Aufregung.
      (Kann auch sein, dass ich lüge und es schlicht nicht abwarten konnteâ¦)
      Die Damen hatten sich allesamt in eine kleine Bohrung gequetscht, die dem Nest als Eingang diente. Also war nichts mit Zählen oder Begutachtung, frau hatte sich feige meinem Blick entzogen.
      Das Nest habe vorerst offen in eine Kunststoffbox gestellt, um Zeit für den Neubau eines eigenen Nestes zu haben. Eigentlich sollte das alte Nest weiter genutzt werden, war aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich/ratsam.
      Transportverluste 0 ! Ein Lob an die Post verkneife ich mir und danke lieber der Widerstandsfähigkeit der Ameisen.

      Im Laufe des Nachmittages zeigten sich dann einzelne Tiere, zuerst die größten Kasten, dann aber auch die Kleineren. Gegebenes Wasser wurde Messor-typisch reichlich genossen, auch Honigwasser fand seine zögerlichen Abnehmer⦠Körner habe ich am ersten Tag noch nicht gegeben, zumal noch ein kleiner Vorrat an Nachtkerzen im Nest lag.
      Kleiner Vorrat? Diese blöden Nachtkerzensamen rieselten mir aus allen Ecken und Kanten entgegen⦠die haben sich wohl auf eine längere Belagerung vorbereitet.

      Gegen Abend sah ich dann auch ein bemitleidenswertes Geschöpf durch das Becken humpeln: ne bucklige, 5beinige, große Ameise. Und da beweißt sich doch wieder mein messerscharfer Verstand, meine Logik und die schnelle Reaktion: nach nur knapp einer Stunde ist mir doch tatsächlich aufgefallen, dass mich der Buckel an irgendwas erinnertâ¦
      Ey, das ist die Königin!
      Gegen Abend ist sie dann wieder in die Bohrung gehumpelt und hat sich zwischen ihre Töchter gequetscht. Mmmh, aber echt ein mageres kleines Dingâ¦

      Gezählt hatte ich bis dahin 12 Arbeiterinnen⦠an der vom Verkäufer versprochenen Menge fehlten da noch einige.

      Nestbau:
      Messor benötigen leichtfeuchte Kammern für Ihre Brut und korkentrockene Kammern für die Körner (Keimen, Schimmel). Klasse, wie bringe ich das denn in einem Ytong-Nest unter.
      Aussehen sollte das Ganze nach gegrabenen Kammern, also habe ich mich an Abbildungen von ausgegossenen Natur-Nestern gehalten. Messor sammelt und lagert Körner, also sollten einige Kammern eine große Grundfläche haben. Das Nest sollte viel Platz bieten, also die Kammern dicht zusammen mit Verbindungsgängen. Trocken und Feucht möglichst getrennt, also auch die Gänge nicht zu sehr verbinden.

      Gedacht, getan:
      Also das Nest erstmal in 17 Entwürfen vorgezeichnet.

      Jo, und jetzt an die Umsetzungâ¦
      Bei Bauhaus einen Ytongblock gekauft: 60x20x10, ca 2 Euro, auf dem Weg nach Hause Tüte fallen gelassen und Stein zerbrochen, schlechtgelaunt umgedreht und nen Neuen gekauftâ¦
      Der Stein war natürlich etwas groß, flugs mit nem Fuchsschwanz von 60 auf 30 gekürzt.
      Den Entwurf mit nem Bleistift auf den Ytong übertragen, indem ich das Papiernest ausgeschnitten habe und die Konturen nachzeichnete. Kammern und Gänge habe ich mit einem Messer (Schälmesser) vorgeritzt und mit Schraubendrehern ausgearbeitet: Kanten und Gänge mit einem Feinmechaniker-Schraubendreher, die groben Sachen mit einem Größeren.
      Kammerdecken nach hinten abfallend, den Kammerboden gerade, alles mit runden Ecken.

      Nachdem alle Kammern und Gänge fertig waren, ich eine gräuliche Farbe hatte und geflissentlich diverse Rüffel meines Freundes wegen der Sauerei überhörte, wurde der Stein ausgespült und noch einige Ecken korrigiert.
      Da Ytongsteine keine glatte Oberfläche haben und Ameisen kleine Schlitze gar nicht mögen, wurde die Front (Auflage der Sichtscheibe) mit einer dünnen und sehr flüssigen Lage aus Gips beschichtet und sofort die Sichtscheibe aufgelegt und beschwert. Nach ca 2 Stunden ist der Gips abgebunden und ich konnte ich die Sichtscheibe vorsichtig wieder abnehmen, die Ränder der Kammern und Gänge nacharbeiten sowie verlaufenen Gips entfernen. Die Kammern erhielten abschließend einen winzigen Ritz für den Luftaustausch.
      Nest über Nacht aushärten lassen und dann ging es weiterâ¦
      Glasbohrer 4mm bei Bauhaus besorgt, 6 Euro
      Mit einer Handbohrmaschine 4 Löcher an den Ecken gebohrt (langsame Drehzahl und wenig Druck) und die Sichtscheibe mit langen 4mm Holzschrauben (Linsenkopf) festgeschraubt.
      Prima schauts aus⦠auf der Oberseite noch einen Gang zur Seite und mit einem Acrylglas-Streifen abdecken, der gleichzeitig den Verbindungsschlauch festquetscht.

      Fertig ist das Nestâ¦
      Denkste!
      Der durchsichtige Schlauch wurde zwar im Fachgeschäft für ein Messor structor - Nest gekauft, jedoch hat wohl keiner folgendes Bedacht: Messor structor sind miserable Kletterer und finden in dem Schlauch absolut keinen Halt⦠die glitschen voll ab.
      Prima, tolle Wurst⦠den Schlauch kann ich so was von knicken

      Restliche Konstruktion in den Müll und neu überlegt.
      Das Nest steht also jetzt vorerst in einer durchsichtigen Kunststoffbox (die als Arena gedacht war) der Eingang ist offen oben am Stein.

      [IMG:upload/thumbs/11466664584458bddac9386_s.jpg]

      Die zweite und (zähneknirschend nachgekaufte) dritte Box (Bauhaus: 50x30x40, durchsichtig, mit Deckel, ca 6Euro) dient als Arena, alle drei wurden auf einer Höhe von ca 10cm durch ein Acrylrohr (20mm Durchmesser) verbunden, die Zugänge für die Kletterlooser mit einer Rampe aus Ytong erreichbar gemacht.

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    • Umzug, Haltung

      22.04.
      Umzugstag: wie bekomme ich eine Messor-Kolonie aus einer Bohrung in mein neues Nest.
      Na, gerade ich töne immer so großartig âLasst sie von alleine Umziehenââ¦
      Mist, also muss ich mich wohl dran halten.
      Das alte Nest habe ich also oben auf das Neue gestellt, Licht aus und ins Bett.

      23.04.
      Zu meiner eigenen Überraschung war die gesamte Kolonie bereits am nächsten Morgen ins neue Nest gezogen⦠kurzer Freudentanz und ich konnte meinen ersten Blick auf alle Tiere werfen. Die Volkszählung:
      1 humpelnde Gyne
      47 schwer beschäftigte Arbeiterinnen
      0 Eier
      4 fette Larven
      0 Puppen
      Prima⦠toller Nachwuchs, aber das wird schon werden.
      Aber: es hatten sich wirklich 48 Ameisen + 4 fette Larven in eine 10mm Durchmesser und ca 5cm lange Bohrung gequetscht⦠unglaublich, zumal diese Tiere nicht gerade klein sind.

      Als Futter habe ich der Kolonie dann ein paar Körner hingestellt, die Nachtkerzen oder sonstige Vorräte sind nicht mit umgezogen. Kleinexoten-Vogelfutter und gemischte Grasssamen, wobei meist nur helle Körner und wenige Grasssamen ins Nest geschleppt wurden⦠wählerisches Volk, die andere M. structor nimmt Grasssamen sehr gerne.
      Die Körner wurden von den größten Arbeiterinnen âgeschältâ und zusammen mit den Kleineren dann Stück für Stück zerkaut, dh kleine Stücke abgebissen. Eine Mehlkäferpuppe wurde in der Arena zwar angenagt, aber nicht ins Nest getragen. Zu erwähnen: die Puppe wurde erst angenagt, als diese getrocknet war⦠gleiches mit einer Grille einige Tage zuvor.
      Meine andere M. structor hingegen nimmt gerne frische Insekten⦠hampf, mal weiter beobachten.

      Bemerkenswert finde ich folgendes: ein paar Arbeiterinnen haben sich zur Aufgabe gemacht, das Nest gründlich zu inspizieren. Aufgefallen ist mir das durch kleine Ytong-Stück im Abfallbereich⦠Ich hatte schon ein Hörnchen, jetzt zerlegen die Biester mein schönes Nest: Messor destructor?
      Gefunden waren die Übeltäter recht schnell: zwei Arbeiterinnen zogen und zerrten an kleinen, losen Ytongbrocken innerhalb des Nestes, die während der Bearbeitung entstanden sind.
      Sieht putzig aus, wenn die Ameise verbissen an einem losen Brocken zerrt, sich dieser plötzlich löst und die Ameise mit Wucht und Brocken auf den Rücken fällt⦠har
      Also wie gewohnt: die Ameisen wollen ein dichtes Nest mit festen, stabilen Wänden.
      Besonders emsig sind ja hier meine Lasuis niger â Kolonien, die wirklich jede Ritze mit Sand zustopfen⦠und selbst ein Eingang mit 6mm-Durchmesser wird noch verkleinert.

      Die Gyne sitzt in der tiefsten Kammer mit vielen Arbeiterinnen, die Körner werden oben eingelagert⦠verteilt auf alle Kammern mit jeweils mind. 1 Arbeiterin. Das berühmte Ameisenbrot habe ich trotz regem Gruppen-Körnermümmeln nicht gefunden.


      25.04.
      Die Nestverteilung hat sich nicht geändert, die Gyne hängt weiterhin im Untergrund.
      Körner sind nach wie vor im gesamten Nest verteilt. Auf dem Abfallplatz lag eine tote Minor-Arbeiterin (Suizid?), ein paar Ytongbrocken und wenige Grasssamen.
      Eine angebotene, zerschnittene und getrocknete Mehlkäfer-Larve wurde ins Nest geschleppt und in der Gynen-Kammer fleißig gefressen, Fütterung der Gyne.
      46 Arbeiterinnen
      0 Eier
      4 Larven
      0 Puppen

      26.04.
      Schnell gings, Beine sind doch zum Legen unwichtig: heute sind 3 Eier im Nest⦠hussa
      Sonst alles beim Alten⦠kauen, schleppen und Nest demontieren


      28.04.
      8 Eier im Nest, eine halbe Mehlkäfer-Puppe ins Nest geschleppt und gefressen (dieses mal sogar frisch), die alte Mehlkäfer-Puppe reinlich auf den Abfall gelegt.
      Zwei Major-Arbeiterinnen, die sich schon die ganze Zeit in einer Ecke verkrümelt hatten, sind heute ebenfalls auf dem Müll gelandet. Mist, jetzt schon 3 Tote Ameisen.
      44 Arbeiterinnen
      8 Eier
      4 Larven
      0 Puppen

      01.05.
      Heute werde ich mal ungenau und bezeichne es als Eierhaufen. Ist schlecht zu zählen, zumal der Haufen von einer Minor getragen wird. ich schätze min 15 Eier.
      Die Larven haben unterschiedliche Größen und Formen⦠fett und prall, oder dünn und klein⦠wobei dieses natürlich auch auf den Entwicklungsstand zurückzuführen ist. Kasten werden sich wohl erst bei den Puppen erkennen lassen.
      Tag der Arbeit? Pustekuchen, der Großteil der Kolonie hängt ziemlich faul in der untersten Kammer rum und macht gar nichts! Larven werden umsorgt, die Eier gehalten und sich gegenseitig âgeputztâ⦠aber sonst ist echt tote Hoseâ¦
      15 Eier
      4 Larven

      03.05.
      Neu angebotene Körner werden von exakt einer Arbeiterin eingetragen, dh bis zum Nesteingang geschleppt und dann einer anderen Arbeiterin übergeben.
      Innerhalb des Nestes werden Körner umgeschichtet oder einzeln in die Brutkammer geholt und dort aufgemümmelt.
      Interessant ist die Art der Brutpflege:
      Eine Arbeiterin hält das (angewachsene) Eierpaket mit dem Mandibeln und den beiden Vorderbeinen, mit den restlichen 4 Beinen hat sie sich kopfüber an die Decke gehängt.
      Nach einiger Zeit lässt sie die Eier fallen und eine andere Arbeiterin übernimmt ihren Job. Ich kann also mit Recht sagen: der Nachwuchs ist auf den Kopf gefallenâ¦

      Eine Larve wurde von 2 Arbeiterinnen bearbeitet, sah erst aus wie ein Festmahl.
      Der Larve wurde jedoch lediglich die Haut abgezogen und zum Vorschein kam eine nackte Puppe⦠coole Stripshow im Nest.
      Diese Puppe wird, ebenso wie die Eier, von einer Arbeiterin an der Decke hängend gehalten.
      Eier: >20
      Larven: 3
      Puppen: 1

      05.05.
      Wenn Ameisen gähnen könntenâ¦
      Die Kolonie ist fit und schwer mit Beamtenmikado beschäftigt.
      Die Verlierer (2Arbeiterinnen) haben heute satte 3-7 Körner ins Nest getragen und entspannen jetzt wieder in der bevölkerten Brutkammer.
      Ey, Ameisen und schwer schuften⦠tse!
      Morgen brösel ich denen ne Extasy ins Wasser!

      Die Einzige, die wirklich was leistet, ist die Gyne⦠das Eierpaket wächst weiter und wird von einer Minor-Arbeiterin getragen. Die Eier sollten sich auf >40 Stück belaufen.
      Wenn tatsächlich alle Eier durchkommen sollten (was eher unwahrscheinlich ist), kann ich mit einer Verdoppelung der Arbeiterinnen rechnen.

      Die erste, große Puppe liegt jetzt am Boden, eine zweite, kleine (Minor-) Puppe wird gerade geputzt.
      Eier: haufenweise
      Larven: 2
      Puppen: 2

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    • Ernährung der Messor

      Den Namen Messor sowie den deutschen Namen âErnteameiseâ verdankt diese Gattung ihrer besonderen (granivoren) Ernährungsweise. Messor sammelt Körner und Samen während der Frühjahr- und Sommermonate und lagert diese in ihrem Bau in umfangreichen Vorratskammern ein. Die Körner werden durch zerkauen und einspeicheln in eine haltbare, braune Masse verwandelt (so genanntes Ameisenbrot), gleichzeitig wird durch Enzyme die enthaltene Stärke in Kohlenhydrate umgewandelt.

      Neben granivorer Nahrung werden von den meisten Arten aber auch Insekten aufgenommen, reifes Obst, Früchte und Pflanzensäfte werden ebenfalls nicht verschmäht. Von einigen Arten ist die Aufnahme von Vogelkot erwähnt.
      (Nach âSeifertâ beträgt die granivore Nahung über 90%)

      Hört sich interessant an?
      Ich persönlich kann mich nicht am stundenlangen Rumkauen ergötzen, es gibt wirklich interessantere Aspekte bei dieser Art. Auch die Ameisenstrassen werden
      erst bei großen Kolonien voll ausgebildet, und immer gibtâs die auch nicht.
      Die Ernährung ist einfach?
      Ja und nein. Natürlich lassen sich Samen und Körner einfacher in Reserve halten als Insekten. Aber gerade die Vorratshaltung durch die Ameisen macht diese Art nicht gerade einfacher⦠ist das Nest auch nur etwas zu feucht, keimen die Samen fröhlich vor sich hin, wenn sie nicht gerade als Nährboden einer imposanten Schimmelzucht dienen. Die korrekte Balance zwischen Trockenheit der Kornkammern und leichter Feuchte für die Brut ist nicht ganz einfachâ¦
      In der Natur arbeitet die Ameisen aktiv und passiv gegen den Schimmel: einerseits werden die Körner durch Sekrete am Keimen gehindert, andererseits zerbeißen die Arbeiterinnen Keime an der Basis.
      In der Haltung klappt dieses (wie auch viele andere natürliche Vorgänge) nicht unbedingt. Ganze Kornkammern werden durch Schimmel vernichtet oder keimen.

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    • Schwarzer Tag

      11.o5.
      Heute gab es den wohl schwärzesten Tag in der langen Geschichte meines kurzen Ameisenhalter-Daseins.

      Der Putzmensch hat mir eine nette Nachricht hinterlassen: âHabe einen Mehlwurm gefunden und ihn in ein Becken geschmissen.â
      Na, das mag ja OK seinâ¦
      Denkste⦠direkt nach dem Aufstehen fand ich den Zettel sowie Mord und Totschlag im Nest der Messor structor, und das vor dem ersten Liter Kaffee!!!
      Der Mehlwurm war ins Nest gekrabbelt und hatte mit schlafwandlerischer Sicherheit die Brutkammer gefunden. Mindestens 20 Arbeiterinnen waren in die Kampfhandlungen verwickelt und tobten mit der Larve quer durch die Kammer. Unnötig zu sagen, das die Brutkammer unten im Nest ist und somit nicht von außen zugänglich ist.
      Ich hab mir 5 Minuten das Spiel angeschaut und mich dann zum Öffnen des Nestes entschieden. Glas abgeschraubt, Mehlkäferlarve hinterrücks gemeuchelt, Major von der Hand abgezupft (logisch war ICH plötzlich der Feind Nr. 1), die Ameisen wieder ins Nest geprökelt und Glas festgeschraubt.
      Hingesetzt, grottenschlechte Laune bekommen und erstmal nen Kaffee getrunken. Ich wollte die Kolonie erstmal zur Ruhe kommen lassen, bevor ich mir den Schaden anschaueâ¦

      OK, Schadensbilanz:
      14 ausgerissene Beine oder Beinteile, mind. 4 Arbeiterinnen mit gebrochenen Gliedmaßen, 1 tote Major, Eier quer durch das Nest verteilt.
      Nettes Ergebnis bei nur 46 Arbeiterinnen!
      [EDIT] Es werden noch einige Leichen aus dem Nest getragenâ¦

      Einige der Überlebenden werde ich wohl noch aussortieren müssen⦠ich kann es nicht mit ansehen, wie sie auf 3 Beinen humpeln.
      Die Trauerfeier findet am 15.o5. im engsten Familienkreis statt...

      Tja, das nennt man Totalschaden! Wenigstens sind die Eier wieder zusammengesucht worden und die Gyne hat überlebt. Wie die Kolonie das Ganze verkraftet bleibt abzuwartenâ¦

      Einziger Trost: Messor structor können sich wirklich bewegen! DAS habe ich jetzt gesehen... Aber glaubt mir, lahmarschig waren sie mir doch lieber!

      14.o5.
      Die Kolonie nimmt deprimierende Züge an⦠es wurden emsig Leichen aus dem Nest entsorgt und säuberlich auf einem separaten Helden-Friedhof beigesetzt.
      Seit einem Tag sind keine neuen Leichen hinzugekommen, also sollte das Schlimmste jetzt überstanden sein.
      Die Kolonie hat durch die Mehlkäferlarve über die Hälfte der Arbeiterinnen verloren, es gibt nur noch 2 Majorenâ¦

      Eine der bedenklichen Auswirkungen: die Vorräte werden nicht mehr betreut mit den üblichen Folgen. Ich werde wohl in den nächsten Tagen das bei 46 Arbeiterinnen sowieso schon reichlich bemessene Nest teilen müssen; ein neues, kleineres Nest wurde bisher nicht beachtet.

      Der Eierhaufen scheint aber wieder zu wachsen und alle Larven haben sich mittlerweile verpuppt. Die erste Larve beginnt mit der Pigmentierung und sollte baldigst schlüpfen. Neue Larven konnte ich noch nicht beobachten, oder ich habe diese schlicht übersehen.

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