Welche Ameisenarten sind für mich geeignet?

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    • Welche Ameisenarten sind für mich geeignet?

      Hallo,

      ich hatte 3 Jahre lang eine Lasius niger Kolonie.
      Da Sie mir zu groß für mein Becken wurde, habe ich die Kolonie in meinem Garten freigelassen.

      Nun bin ich auf der Suche nach einer anderen Art. Ich habe eine Arena mit integrierter Farm 25x15 von dem Antstore und könnte dank Platzmangel nur noch eine Farm mit anschließen. Die Koloniegröße ist das wichtigste Kriterium bei meiner Suche.
      Das ich viele Erfahrungen mit meiner Lasius niger Kolonie sammeln konnte, würde ich nun zu einer Exotischen Art tendieren, die keine Winterruhe hält.
      Meine neue Ameisenart sollte sich in einem Wüstenbecken wohlfühlen und nicht zu hohe Feuchtigkeitsansprüche haben. Mehr Kriterien habe ich nicht, lieber wären mir "Kleine Jäger", als Körnersammler, aber das sollte kein großer Kritikpunkt sein. Wichtig ist mir nur eine kleine Koloniegröße und wenn möglich noch etwas robust.

      Ich hoffe ihr könnt mir da etwas weiterhelfen.

      LG Sebastian

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fink2 ()

    • Temnothorax/Leptothorax haben auch den Vorteil, dass man kein riesiges Reagenzglas oder eine Farm braucht, die nisten am liebsten in Kleinstojekten (hohle Eicheln, leere Samenkampseln z.B. von Kürbiskernen, kleine Schneckenhäuser, winzige Zweigchen, Box für Druckbleistiftminen, Hygrometer :rolleyes: ). Dabei sind sie polydom, d.h. die Kolonie kann sich auf mehrere Kleinstnester verteilen (es empfiehlt sich mehrere Nistmöglichkeiten anzubieten, dann kann man Arbeiterinnen zwischen den Nestern wandern sehen).

      Durch ihr Leben auf dem Waldboden sind sie geradezu absurd resistent gegen Temperaturschwankungen und können von kalt bis warm so ziemlich alles tolerieren (deren Nisteichel liegt schonmal in der prallen Sonne und wird anschließend vom kalten Regen überspült), zudem sind sie äußerst zäh und besitzen sie extrem ausgefeilte Methoden um mit Nahrungsmangel umzugehen, vergisst man mal sie zu füttern ist das nicht so schlimm wie bei vielen anderen Arten. Auch das Nest muss man nicht befeuchten, sie mögen es trocken - eine Tränke muss aber natürlich vorhanden sein.


      Temnothorax/Leptothorax sind extrem entspannte Ameisen, die sich meist nur langsam bewegen (außer wenn sie gestört werden). Sie entfernen sich selten mehr als einen Meter vom Nest (anders als Lasius niger, die man bei einem Ausbruch auch noch 3 Zimmer weiter findet :rolleyes: ) und klettern nicht mehr als ca. einen halben Meter hoch - wenn nicht gerade ein geeigneter Alternativnistplatz in Reichweite steht kann man die prinzipiell sogar offen auf einem großen Tisch halten, ohne dass was schlimmes passiert.

      Die Arbeiterinnen besitzen ein extrem gutes Navigationsvermögen dank dem sie auch im Laubchaos des Waldbodens verlässlich zurück nachhause finden, trockenes Laub (bzw. Laubstückchen) ist daher ein sehr gutes Bodensubstrat für diese Ameisen (sieht hübsch aus wenn man ganz kleine Blättchen nimmt, ist wüstenbeckenkompatibel und schimmelt nicht, da trocken).
      Ameisenstraßen bildet die Art nicht, aber Tandemlauf in Grüppchen von 2 bis 5 ist sehr üblich und legt man etwas Futter ins Becken sind sie erstaunlich schnell dran, bei geforerem Futter oft bevor das Stück auch nur ansatzweise auftauen konnte.

      Die maximale Koloniegröße liegt so bei 100-200 Tieren, in der Haltung könnten es möglichweise auch etwas mehr werden (500 dürften sie aber definitiv nicht erreichen). Für so kleine Ameisen dauert die Aufzucht der Brut recht lange (2-3 Monate), sie explodieren also nicht plötzlich wie Lasius niger das gerne tun. Ein 25x15-Becken dürfte denen für 1-2 Jahre reichen, dann sollte man am besten noch ein 30x20-Becken anschließen (reines Arenabecken ohne integrierte Farm), das reicht dann auf jeden Fall dauerhaft (glaube die Königin wird so 10-15 Jahre alt).

      Temnothorax/Leptothorax sind halt nicht so quirlig und hyperaktiv wie Lasius niger, sondern eher Liebhaber-Ameisen, die ruhig und entspannt ihrer Wege gehen - aber wenn man wenig Platz hat und pflegeleichte entspannte Ameisen möchte wird man nur schwer was besseres finden :)
    • Hallo,

      vielen Dank für diese sehr ausführliche Antwort. Temnothorax nylanderi scheint die perfekte Art für mich zu sein. Im Ameisensteckbrief steht, dass die Art Winterruhe hält, andererseits ist Sie auch robust. Kann man sie warm überwintern, so wie man es auch bei Lasius niger machen KANN oder ist eher davon abzuraten?

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    • Sebasmo schrieb:

      Hallo,

      vielen Dank für diese sehr ausführliche Antwort. Temnothorax nylanderi scheint die perfekte Art für mich zu sein. Im Ameisensteckbrief steht, dass die Art Winterruhe hält, andererseits ist Sie auch robust. Kann man sie warm überwintern, so wie man es auch bei Lasius Niger machen KANN oder ist eher davon abzuraten?
      Temnothorax brauchen ihre Winterruhe, ohne würde ich die nicht halten (das trifft auch auf südeuroäische Arten zu). Das sollte bei der geringen Größe der Anlage aber kein Problem sein - im Zweifelsfall kann man das Becken einfach in eine Styroporkiste packen und auf den Balkon stellen, das hält die Art aus (es wäre btw generell zu empfehlen die Art nahe eines offenen Fensters zu halten, es gibt zwar HBs in denen Temnothorax nylanderi erfolgreich bei konstanter Temperatur gehalten wird (also schon mit Winterruhe), aber generell sind tageszeitabhängige Temperaturschwankungen empfehleneswert).

      Sonst fallen mir keine anderen Ameisen ein, die in so ein kleines Becken passen - vor allem nicht dauerhaft.
      Es gibt ein paar Camponotusarten mit sehr geringer Koloniegröße, aber die brauchen alle mindestens ein 60x30-Becken plus eine zusätzliche Arena (kann eine günstige Platikbox sein) mit 1-2 Metern Schlauch, um totlaufen zu verhindern - tendenziell besser eher noch mehr Platz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Serafine ()

    • Das wäre mir neu, dass man Lasius niger warm überwintern kann. Es haben inzwischen schon einige Versuche gezeigt, dass das keine positiven Auswirkungen hat. Bei allen andern Mittel- und Nordeuropäischen Arten wird es wohl mehr oder weniger ähnlich sein.
      Gegen einheimische Temnothorax oder Leptothorax wäre insofern nichts einzuwenden ausser dass man die Lebensbedingungen kennen sollte in denen sie normalerweise vorkommen.
      Die Sozialparasiten sollte man natürlich ausschließen.
      lg Franz :ant:
      _______________________________________________________________________________________
      "Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen." - Abraham Lincoln :frage:
    • Ich habe mich gerade über Pheidole yeensis und Pheidole noda beim Antstore belesen.
      Die Koloniegröße beträgt durchschnittlich 3000 Tiere und Sie brauchen keine Winterruhe und sind klein. Die Winterruhe geht mir gerade nicht aus dem Kopf, weswegen ich mich auch gegen die Temnothorax entscheiden würde.

      Was für eine Arena bräuchte ich noch zusätzlich zu meiner 25x15 Combiarena?


      trailandstreet schrieb:

      Das wäre mir neu, dass man Lasius niger warm überwintern kann. Es haben inzwischen schon einige Versuche gezeigt, dass das keine positiven Auswirkungen hat. Bei allen andern Mittel- und Nordeuropäischen Arten wird es wohl mehr oder weniger ähnlich sein.
      Gegen einheimische Temnothorax oder Leptothorax wäre insofern nichts einzuwenden ausser dass man die Lebensbedingungen kennen sollte in denen sie normalerweise vorkommen.
      Die Sozialparasiten sollte man natürlich ausschließen.
      Die Lasius niger Kolonie war meine erste Ameisenart. Ich habe mich sehr gründlich darüber belesen und ich habe die Kolonie jedes Jahr, bis auf letztes Jahr in Winterruhe geschickt.
      Es ist für Anfänger schwierig, sich über verschiedene Arten zu informieren.
      Auf vielen Seiten steht mit Winterruhe, aber einige schreiben auch es geht ohne. Was soll man da glauben, gerade als Anfänger.

      Sebasmo schrieb:

      Hallo,

      vielen Dank für diese sehr ausführliche Antwort. Temnothorax nylanderi scheint die perfekte Art für mich zu sein. Im Ameisensteckbrief steht, dass die Art Winterruhe hält, andererseits ist Sie auch robust. Kann man sie warm überwintern, so wie man es auch bei Lasius Niger machen KANN oder ist eher davon abzuraten?
      Und genau deshalb habe ich das kann groß geschrieben.

      LG Sebastian

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fink2 ()

    • Im Grunde brauchen alle einheimischen Arten auch mal eine Winterruhe. Bisherige Versuche sind mit starken Einbußen bis hin zum Tod der Kolonie verlaufen oder wurden vorher abgebrochen, da nichts mehr zu erwarten war.
      Eine dauerhaft positive Entwicklung war nie gegeben.
      lg Franz :ant:
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      "Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen." - Abraham Lincoln :frage:
    • trailandstreet schrieb:

      Im Grunde brauchen alle einheimischen Arten auch mal eine Winterruhe. Bisherige Versuche sind mit starken Einbußen bis hin zum Tod der Kolonie verlaufen oder wurden vorher abgebrochen, da nichts mehr zu erwarten war.
      Eine dauerhaft positive Entwicklung war nie gegeben.

      Solenopsis fugax, Entwicklung über 2 Jahre ohne Winterruhe...

      Nach 6 Monaten:


      Nach 2 Jahren:


      Würde das aber nicht mit Lasius niger versuchen.
    • Neu

      Guten Abend,

      lange habe ich mich nicht gemeldet, aber ich habe bei dem Antstore eine Art entdeckt, die vielleicht doch bei mir passen könnte.
      Es handelt sich um die Art Camponotus rufoglaucus feae. Die Koloniegröße ist passend, ca. 100+- und halten keine Winterruhe.

      Was sagt ihr dazu?

      LG Sebastian