Haltungsbericht Camponotus barbaricus

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    • Haltungsbericht Camponotus barbaricus

      Hallo liebe Ameisenfreunde :)

      Ich habe hier vor, einen Haltungsbericht zu meinem Versuch einer Camponotus barbaricus Kolonie zu veröffentlichen. Das wird ehrlich gesagt mein erster richtiger Versuch einer Ameisenfarm.
      Anfang Herbst letzten Jahres hatte ich mir zwar schon eine Messor Barbarus Gyne bestellt welche auch lebend angekommen ist, allerdings hat sie bei mir keine 2 Wochen überlebt, warum auch immer... :/
      Deswegen wollte ich jetzt beim zweiten Anlauf mit einer Camponotus barbaricus Kolonie starten.

      Zur Wahl dieser Art:

      Ich wollte erstmal, dass ich meine Ameisen gut sehen bzw. beobachten kann, wo die Camponotusarten generell eine sehr gute Wahl sind, da sie mit einer Größe von bis zu 2cm zu den größten Ameisenarten Europas zählen. :rolleyes:
      Zudem wollte ich eher ungern eine Heizmatte oder eine Wärmelampe haben, also kam sowieso nur eine Art in Frage, welche mit recht niedrigen Temperaturen zurecht kommt. Da das Zimmer wo sie stehen sollen auch zwei Außenwände hat und kaum geheizt wird, können sie im Winter sogar dort stehen bleiben und ich brauch sie für die Winterruhe nicht extra in eine andere Umgebung bringen.
      Außerdem haben die Camponotus barbaricus eine vielfältige Ausprägung von Arbeiterinnen, also sie sind stark polymorph (Minor, Media und Majorarbeiterinnen), was ich recht interessant finde.
      Das eigentlich einzige was mich an ihnen ein bisschen gestört hat ist, dass sie monogyn sind, also nur eine Königin existieren kann. Und wenn die mal aus irgendeinem Grund stirbt, geht die ganze Kolonie vor die Hunde... :schuetteln:
      Aber, naja... Jedenfalls habe ich mich jetzt für sie entschieden :)

      Im nächsten Post werde ich dann den Bau meines Formicariums schildern.

      Mfg Ahmaese :winken2:

      The post was edited 1 time, last by Ahmaese ().

    • Nun zum Formicarium:

      Das hier ist wie gesagt meine erste Erfahrung mit Ameisen als "Haustiere"^^, also bitte nicht zu viel erwarten, allerdings finde ich, das Formicarium ist mir recht gut gelungen
      *auf die Schulter klopf* :totlach:

      Jedenfalls habe ich mich nach ausgiebiger Recherche für ein Ytong Nest entschieden, da ich auf jeden Fall alles selber machen wollte und Ytong mir zum bearbeiten recht praktisch erschien.
      Das Nest hatte ich dann geplant in ein 50x30cm Aquarium zu legen, als unterirdisches Nest sozusagen, was dem Platz des natürlichen Nest von Camponotus barbaricus auch entsprechen würde.
      Also habe ich mir das Aquarium bestellt und 2 große Ytongsteine aus dem Baumarkt gekauft.

      Als erstes habe ich dann die Ytongsteine auf die Maße des Aquariums zugeschnitten und zusammengegipst. Dann habe ich vorne auf einem der Ytongsteine die Grundrisse der Gänge vom Nest skizziert. Dann habe ich die Gänge mit einem 30mm Bohrer ca 2 bis 4 cm tief in den Ytongstein gebohrt.
      (dann waren mehrere Kreise nebeneinander) und dann habe ich mit einem Längstschlitz Schraubenzieher die Kreise verbunden und die Reste abgeschabt, sodass Kammern entstanden sind:



      Als ich dann alle Kammern und Verbindungen zwischen den Kammern fertig hatte, sah das dann so aus:



      Mir hat die Vorstellung sehr gefallen, dass man die unterirdischen Aktivitäten der Ameisen von 2 Seiten sehen kann, also habe ich die eine schmale Seite des "Ytong-Konstrukt" auch bearbeitet:
      (schwer zu erkennen aufgrund der Lichtverhältnisse)



      Dann habe ich mir Wasserfarbe genommen, da ich mir dachte, dass da ja eigentlich nichts drin sein kann was den Ameisen schadet. Als Farben habe ich Okka und ein lehmiges Braun benutzt um das Nest etwas schöner zu gestalten und die Kammern optisch vom Rest hervorzuheben:




      Fertig angemalt:


      An einer Seite habe ich noch eine Einbohrung gemacht, wo ich nachher von oben aus mit einer Spritze etwas Wasser einfüllen kann. So werden dann zwei Kammern leicht befeuchtet, die Ameisen können sich dann ja selber aussuchen was sie damit anstellen... :)



      Dann habe ich mich daran gewagt, das Ytongnest versuchsweise in das Aquarium zu kriegen, allerdings hat es da noch nicht ganz gepasst. Es war allerdings wichtig, dass der Ytongstein nicht zu locker in dem Aquarium liegt, er sollte eigentlich genau passen, da die Arbeiter ansonst zwischen Glas und Nest fallen könnten, oder dann sogar dort festsitzen... :)
      Deswegen habe ich gefühlte 20 mal immer nur einen halben Millimeter abgeschmürgelt, bis es endlich gepasst hat. Dafür hat es dann aber richtig gut gepasst und wackelt gar nicht mehr.
      Letzendlich sah es dann so aus:



      Hier noch ein Bild (mit provisorischem Karton Deckel)^^


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      Das einzige was an dem Formicarium noch fehlt wäre dann ein Deckel (mal abgesehen von der Inneneinrichtung und den Ameisen), und da hatte ich vor, einen Holzrahmen mit einer Glasplatte in der Mitte und zwei kleinen Belüftungsgittern
      zu bauen. Das ganze würde ich dann noch mit dem Ameisen Ausbruchsschutz Lack vom Antstore verstärken :)

      Heute habe ich jedenfalls erstmal die Kolonie vom Antstore bestellt, und zwar eine Königin mit 1-4 Arbeiterinnen. Leider ist es momentan nachts relativ kalt draußen, weswegen der Versand zum Wohl der Tiere etwas aufgeschoben wird,
      ich werde sie dann aber hoffentlich nächsten Monat erhalten.

      Im nächsten Post werde ich dann den Bau des Deckels thematisieren, und die Inneneinrichtung angehen. Und dann sind bald doch endlich mal meine Ameisen angekommen...
      Ich hoffe ich konnte mit meinem Bericht vom Bau des Formicariums irgenjemandem helfen, oder, noch besser, jemanden inspirieren.

      Mfg Ahmaese :winken2:
    • Das Nest wirst du erstmal nicht wirklich brauchen. Meine C. barbaricus kamen im November 2016 mit 4 Arbeiterinnen an (Koloniegründung dürfte so im Juni/Juli gewesen sein), haben nach einem ersten Satz Brut erstmal mit Larven bis Anfang März überwintert und bis August 2017 in einem 30x200mm-Reagenzglas gewohnt - zu dem Zeitpunkt waren es 80-100 Arbeiterinnen und ungefähr dieselbe Menge an Brut.
      Wenn man die zu früh in ein Nest setzt müllen sie es erstmal ordentlich zu (Müllkammern wird man mit ziemlicher Sicherheit sowieso haben, aber der Müll wird halt früher oder später rausgetragen wenn sie den Platz brauchen).

      Die Art ist übrigens nacht-/schattenaktiv, tagsüber wird man von denen nicht wirklich viel sehen, solange sie unter 1000 Arbeiterinnen sind. Ein dunkles Nest ist auch dringend zu empfehlen, das ist eine Art, die sich auf der Suche nach Dunkelheit ggf in die Watte gräbt bis das RG flutet und sich bei Beleuchtung generell schlecht entwickelt.
      Um eine vernüftige Brutentwicklung hinzubekommen sind mindestens 24°C nötig (besser 26°C mit Wärmegradient - an einer Nestseite darf es auch gerne 30°C haben, da werden dann die Puppen gelagert, für die Larven ist das aber etwas zu warm), eine Heizmatte (am besten eine dünne selbstklebende, die man einfach auf die Glasseite klatscht) wäre daher doch sehr zu empfehlen. Natürlich kann man sie auch bei geringeren Temperaturen halten, dann geht die Entwicklung aber halt deutlich langsamer (bei ~22°C dauert es von Ei zu Arbeiterin ca. 3 Monate, bei ~28°C ungefähr 4-6 Wochen).

      Ahmaese wrote:

      Das eigentlich einzige was mich an ihnen ein bisschen gestört hat ist, dass sie monogyn sind, also nur eine Königin existieren kann. Und wenn die mal aus irgendeinem Grund stirbt, geht die ganze Kolonie vor die Hunde... :schuetteln:
      Camponotus die ihre Königin verloren haben können eine neue Königin adoptieren. Das funktioniert bei vielen Ameisenarten die sehr große Kolonien mit aufwendigen Nestern ausbilden (Camponotus barbaricus, Messor barbarus) und zudem noch einen Hang zur Olgygogynie haben (mehrere Königinnen an verschiedenen Orten im Nest, die sich aber nicht begegnen dürfen, weil sie sich sonst gegenseitig umbringen - das funktioniert in der Haltung i.d.R. nicht, da nicht ausreichend Platz vorhanden ist, in der Natur können so aber v.a. Messorkolonien absolut monströs werden). Die Kolonie sollte vor dem Adoptionsversuch aber mehrere Monate ohne Königin verbracht haben, damit sich deren Geruch komplett verflüchtigt (zu diesem Zeitpunkt dürften die Arbeiterinnen schon angefangen haben selbst Eier zu legen).
      Das ganze ist im Prinzip ein Deal zwischen Königin und Arbeiterinnen - die Königin stellt neue Arbeiterinnen bereit, die den vorhandenen Arbeiterinnen helfen ihr Genmaterial in Umlauf zu bekommen (indem die Drohnenbrut aufgezogen wird, die von den Arbeiterinnen gelegt wurde), dafür bekommt sie Hilfe beim Start und erbt das bereits fertige große Nest (das wahrscheinlich auch noch an einem guten Standpunkt liegt).

      The post was edited 6 times, last by Serafine ().