Camponotus barbaricus verlassen das RG nicht und die Brut entwickelt sich kaum

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    • Camponotus barbaricus verlassen das RG nicht und die Brut entwickelt sich kaum

      Hallo Ameisenfreunde!

      Ich bin recht neu im Forum und in der Ameisenhaltung.
      Ich beschäftige mich zwar schon lange mit dem Thema da mich Ameisen immer interessiert haben, allerdings ist diese Kolonie erst meine zweite.

      Zu meinen Ameisen: (Mein Haltungsbericht Camponotus barbaricus )

      Im Februar diesen Jahres kam meine Camponotus barbaricus Königin mit einer Arbeiterin und etwas Brut. Es waren so um die 3 Larven und einige Eier.
      Als die Winterruhe dann Anfang März zu Ende war habe ich sie samt RG in das für sie vorgesehene Formicarium gelegt. Ab da waren sie dann ziemlich inaktiv. Zu Beginn habe ich noch einige Male nachgeguckt, dann aber auch längere Zeit nicht mehr und habe nur immer ein Tröpfchen Zuckerwasser auf einen Stück Pappe vor das RG gelegt und hin und wieder eine Fliege. Das Problem war aber, dass weder die Arbeiterin, noch die Königin raus gekommen sind um etwas zu fressen, und so habe sie eigentlich bis jetzt nichts gegessen. Was ich einmal ausprobiert habe, ist eine Fliege in das Reagenzglas zu schieben, die haben sie dann sogar angenommen. So auch mit einem Wattestäbchen, welches ich mit Zuckerwasser getränkt habe. Soweit ja kein Problem, da diese Art... oder Gattung? (Bio war nicht so meins) wie ich gelesen habe bis zu eineinhalb Jahre ohne Futter auskommen kann (jedenfalls die Queen). Allerdings hat sich die Brut kaum entwickelt und die Queen hat anscheinen auch einen Teil der Brut aufgefressen, da jetzt nur noch zwei Larven übrig sind. Ich denke, dass das an der vermehrten Störung lag, da ich ihnen die Nahrung ja praktisch in den Bau geschoben habe und die Königin so evtl. zu viel Stress bekommen hat. Das werde ich in Zukunft auch versuchen zu vermeiden, allerdings wenn ich sie komplett in Ruhe lasse scheint es ja auch nicht zu klappen da die maximale Brutentwicklung (vom Ei bis zur Ameise) zwei Monate beträgt und inzwischen sind drei rum und es sind gerade mal Larven...

      Woran das auch liegen könnte ist denke ich die fehlende Temperatur, beim Antstore steht 18-28 Grad für diese Art, bei mir sind es tagsüber meist so 20-22 Grad und Nachts ca. 15-20.
      Eine 7 Watt Wärmematte vom Antstore habe ich schon hier, nur hatte ich das Gefühl das die kaum was bringt, da ich mit einem Thermometer mal so einen Unterschied von ca. 0,3 Grad von mit und ohne Heizmatte gemessen habe...
      Falls jemand eine gute Heizmatte kennt die eine Temperatur von am besten 24-28 Grad bewirkt, gerne auch den Link schicken und am besten ungefähr schildern wie ihr die optimaler Weise anbringt, (eigentlich ziemlich logisch, aber man weiß ja nie...) P.S.: Mein Formicarium ist ein 50x30x30cm Aquarium mit einer Glasdicke von 5mm.

      Vielen Dank für jede Hilfe ^^

      The post was edited 4 times, last by ice_trey ().

    • Hallo Ahmaese,

      das ist natürlich sehr bitter, wenn du dich so gefreut hast und die Kolonie nun stagniert. Kurz vorweg, zur Auffrischung des Bio-Unterrichts: Die Gattung ist Camponotus, die Art barbaricus (was man tatsächlich dann immer klein schreibt) :)

      Meiner Erfahrung nach ist es schwer zu sagen, woran es genau liegt, aber du hast schon einige Parameter angesprochen: Möglichst wenige Störungen, gute Temperatur, gute Fütterung.
      Gerade kleine Kolonien neigen leider zu einer gewissen Inaktivität, da diese sich selbst schützen und möglichst wenig fouragieren (Nahrung sammeln etc.) gehen - in freier Natur ist jeder Gang nach draußen ein Risiko und gerade bei kleinen Kolonien Ausfälle bei Arbeiterinnen sehr kritisch. Die Ameisen wissen aber natürlich nicht, dass sie bei dir niemals in Gefahr sein werden und es keine Feinde gibt. Insofern ist eine geringe Aktivität sehr häufig.

      Die nicht wachsende Brut ist eine andere Sache, denn hier muss es Ursachen geben. Letztendlich muss für das Wachstum proteinreich gefüttert werden (Zucker oder Honig wird v.a. von den erwachsenen Tieren verwertet, weniger von der Brut), sprich: Du solltest wenigstens 1x pro Woche für frische Proteinnahrung sorgen. Fliegen sind ok, aber man kann natürlich auch variieren, wenn man andere Insekten findet (Mücken, kleine Fruchtfliegen, etc.).

      Dass sie angenommen werden ist ein gutes Zeichen, aber du musst auch prüfen, ob sie nur ins Nest geschleppt wurden, oder auch verwertet werden. Wenn die Fliegen also z.B. vollkommen intakt aussehen, würde ich sie an deiner Stelle zukünftig "geöffnet" anbieten, also entweder etwas zermatscht, oder aufgeschnitten, damit die Arbeiterinnen sehr leicht an das nahrhafte Innere kommen. Es kann nämlich vorkommen, dass die Arbeiterinnen Beute zwar instinktiv ins Nest schleppen, dort aber dann am Chitinpanzer des Insekts scheitern und gar nicht an die verwertbare Nahrung herankommen. Die Fliege liegt dann mehr oder weniger als Müll im Nest herum.

      Was die Heizmatte angeht, bin ich ein Fan von denen von ThermoLux. Ich nutze selbst eine mit 6 Watt, das reicht aber vollkommen aus, um es im Nest warm zu halten, ohne dass es zu Überhitzungen kommt. Die Matten sind ein wenig teurer, aber ich selbst habe mit einer Billigmatte schonmal eine Kolonie ungewollt gegrillt, weil sie viel zu heiß wurde (und diese hatte nur 3 Watt!). Zudem sind diese Matten wasserdicht.

      Edit: Ich habe soeben noch deinen Haltungsbericht gesehen: Haltungsbericht Camponotus barbaricus
      Nun, die Ameisen sind sehr gut in Futter! Das erkennt man daran, dass ihre Gaster (Hinterleib) jeweils schon die Chitinplatten etwas auseinanderschiebt, man also die Haut darunter erkennen kann. Das bedeutet, dass in ihrem Kropf (= Sozialmagen) sehr viel Futter ist. Auch die Larven haben Futter im Magen, erkennbar an den braunen Flecken in der Mitte des Körpers.

      Eigentlich sollten sie sich bei ausreichend Wärme und möglichst wenig Störungen also gut entwickeln. Ich würde lediglich an deiner Stelle die Menge an Kohlenhydraten zugunsten von Proteinen senken, damit die Brut mehr davon hat. Die erwachsenen Tiere überleben es locker, wenn du nur alle 2 Wochen Zuckerwasser oder Honig fütterst. Damit vermeidest du, dass die Arbeiterinnen sich mit Kohlenhydraten den Bauch vollschlagen und danach von den Proteinen kaum mehr etwas aufnehmen können - die Larven werden also ggf. weniger oft versorgt, als man meinen würde.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.

      The post was edited 2 times, last by ice_trey ().

    • Hallo ice_trey,

      vielen Dank erstmal für die schnelle und ausführliche Antwort. :dankeschoen:

      ice_trey wrote:

      Dass sie angenommen werden ist ein gutes Zeichen, aber du musst auch prüfen, ob sie nur ins Nest geschleppt wurden, oder auch verwertet werden.
      Die Ameisen verlassen das RG nicht und tragen somit auch keine Insekten ein die ich dort hingelegt habe. Probeweise habe ich einmal eine Fliege in das RG geschoben und diese hat die Königin direkt angenommen und den kompletten Leib der Fliege aufgefressen. Das Problem ist daher denke ich, dass die Ameisen sich nicht trauen das RG zu verlassen und ich habe mich bisher nicht getraut so oft eine Fliege in das RG zu schieben, da die Art sehr anfällig bezüglich Erschütterungen ist.

      Meinst du ich sollte einfach abwarten und die Proteine weiterhin vor dem RG platzieren und hoffen, dass die Arbeiterin früher oder später einmal das RG verlässt? Weil so lange sie ja noch Reserven haben wie du meintest, können sie ja nicht sofort verhungern.
      Oder sollte ich die Proteine einmal die Woche in das RG schieben aber damit ab und zu für "Ruhestörungen" sorgen? :nixweiss:
    • Ich würde, um Störungen zu vermeiden, die Nahrung einfach direkt vor dem Eingang positionieren und das Nest möglichst wenig erschüttern. Mag sein, dass der Brutfraß auch daher rührt. Wie ich sagte, auf den Fotos sehen sie sehr gut genährt aus, da würde ich mir also mal keine Sorgen machen. Man muss auch immer sagen, dass kein Tier freiwillig verhungert - sie werden sicher irgendwann auch die Tiere am Eingang abholen. Da sie aber scheinbar momentan gute Reserven haben, kommen sie eben so gut wie gar nicht raus (oder eben überhaupt nicht). Mag also sein, dass einiges an angebotener Nahrung ignoriert wird. Nur Geduld, die kommen schon raus, da bin ich sicher. Und da auch die Brut gefüttert wird, hast du sicher auch bald ein paar mehr Arbeiterinnen. Gönne ihnen einfach etwas Ruhe, damit sie nicht aus Stress Quatsch machen... :)
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Huhu

      Also ich habe / hatte die selbe Situation mit meinen herculeanus...

      Im Grunde sind es die gleichen Unstände!

      Ich habe mir diesen Zustand eine ganze Weile mit viel Geduld angesehen und so wenig wie möglich eingegriffen.

      Aber alles blieb unverändert...



      Tatsächlich fehlten sogar mehr und mehr Eier.
      Brutfrass?!?



      Ich entschied mich dann doch dafür einmal komplett alles Auf den Kopf zu stellen und die Dinge in die Hand zu nehmen.

      Natürlich versuchte ich jeden Stress für die Mädels zu vermeiden da es ohnehin schon eine extrem große Aufregung ist.

      Zuerst habe ich ein größeres Reagenzglas besorgt und mit einer Mischung befüllt.

      10%honig
      10%zucker
      80%Wasser

      Man kann es als Zwangsernährung sehen...
      Aber irgendwie mussten sie einfach mal etwas Abwechslung haben...
      Jedenfalls schien es mir richtig.


      Das Glas wurde mit Alufolie umwickelt und zwei splitter Holz sowie etwa 3 gramm Spähne befüllt.
      So das genug Freiraum blieb.

      Anschließend habe ich die kleinen Riesen vorsichtig mit einer Pinzette umgesiedelt.



      Dann nahm ich eine transparente Tupperdose als Arena die mit etwas Erde, Holzsplitter
      Und etwas Laub eingerichtet wurde.



      Das Ergebnis ist sehr interessant.

      Die einzige Arbeiterin UND die Königin sind beide nun endlich in der Arena tätig gewesen.

      Die zwei haben das Reagenzglas schon ordentlich zugebaut und mit allen eingerichtet was in der Arena zu finden war.
      Das ging etwa 4-5 Stunden so.

      Jetzt sieht es nach einem echten Nest aus.

      Nun heißt es sich wieder zu gedulden und der Sache ihren Lauf zu lassen. :)

      Zumindest ist jetzt immer etwas Bewegung zu beobachten.

      Ich persönlich finde es nicht gut die Ameisen so zu stören und deren kleine Welt aufzumischen...

      Aber in diesem Fall war es wohl das richtige.
      Und es hat sich gelohnt.

      Vielleicht hilft es ja weiter.

      glg
    • Würde das Reagenzglas erstmal mit einem dicken Strohhalm als Eingang versehen, das hilft mit der Feuchtigkeit und dann kannst du kleine Futterinsekten auch vorsichtig durch den Strohhalm ins RG schieben ohne die Ameisen zu sehr zu stören (kleine Spinnen (4-5 Stunde einfrieren) und kleine Fliegen (elektrische Fliegenklatsche) sind perfekt, Fruchtfliegen aus Zuchtansätzen werden oft nicht angenommen - Wildfänge dagegen schon).
      Wenn du irgendwie an Bienenbrut kommen kannst, die hat bei mir super funktioniert (am besten kamen aber kleine Spinnen an).
      Für Zucker klappt bei mir verdünnter Ahornsirup am besten (Zuckerwasser geht auch), generell mag die Art eher sehr flüssige Sachen und rührt viskose Zuckerlösungen (Honig, Ahornsirup pur) nicht an wenn es was flüssigeres gibt. Eine gute Ameisentränke (benutze selbst die von byFormica) wäre ein lohnenswerte Investition.

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      i.imgur.com/tPen9Zd.jpg

      Die Temperaturen sollten bei mindestens 25°C liegen, drunter wird man kaum vernünftige Brutentwicklung hinbekommen.
      Die ersten Würfe sind auch sehr klein - erstmal 2-5 Arbeiterinnen, dann 5-10. So ab 50-60 gehts dann langsam los (mit 100 Arbeiterinnen hatten meine schon 100 Puppen).
      Ab 80-100 Arbeiterinnen kann man ein Nest anbieten (z.B. Simants Pro M), da lässt sich dann auch eine Seite einfach beheizen und die Ameisen können ausweichen sollte es an der einen Nestseite zu warm werden.

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      Camponotus barbaricus ist NACHTAKTIV.
      Größere Kolonien sind auch tagsüber dauerhaft draußen (der Großteil kommt aber erst raus wenn es mindestens dämmrig wird), kleine Kolonien sind praktisch NUR nachtaktiv.
      Am besten das Futter abends frisch auslegen, damit es nicht den ganzen Tag in der Arena liegt und autrocknet. Die Ameisen sind flink und suchen nachts das ganze Becken ab - bei mir hat die einzelne furagierende Arbeiterin einen versehentllich verschütteten Tropfen Honigwasser 20cm vom Nesteingang entfernt in 15cm Höhe auf der Seitenscheibe gefunden.
      Sie haben aber auch riesige Sozialmägen - dass sie, einmal vollgefressen, eine Woche im Nest sitzen ist völlig normal. Gerade am Anfang sind sie wirklich sehr inaktiv.

      The post was edited 5 times, last by Serafine ().