Ein paar Einsteigerfragen - welche Art, welches Formicarium, etc.

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    • Ein paar Einsteigerfragen - welche Art, welches Formicarium, etc.

      Hallo liebes Forum,

      ich bin relativ neu was das ganze Ameisen als Haustiere halten Thema anbelangt und hätte da Mal ein paar Fragen. Ich habe mit schon etliche Videos zu dem Thema angeschaut (meist Ants Canada) und habe mir nun überlegt mit eine eigene Kolonie anzuschaffen.

      1) Fangen wir an mit der Art. Ich habe überall gelesen, dass Lasius niger die perfekte Einsteiger-Ameise sein soll.
      Jedoch habe ich auch gelesen, dass sich die sehr schnell vermehrt und da ich nicht wirklich Lust auf eine 40-tausend-Tier Kolonie habe hier zu meiner Frage:

      Gibt es Alternativen (ungefähr gleich einsteigerfreundlich) zur Lasius niger? Oder gibt es irgendeinen Weg, zu verhindern, dass die sich so stark vermehren?

      2) Kommen wir zur zweiten Frage :) , jetzt geht's ums Formicarium. Ich besitze einen 3D Drucker und wollte Mal fragen, ob den Ameisen das Material (PLA) irgendwie schadet oder ob die sich da durch fressen können. Denn das Drucken würde mir Zeit und Geld sparen.

      3) Meine dritte Frage währe die Ernährung. Ich habe schon gehört, dass ich die Anfangskolonie mit Honig füttern soll und später dann mit anderen Sachen wie Mehlwürmern, Früchten, etc. Ich wollte Mal fragen ob man als Nahrung auch Bioabfälle (natürlich ungespritzt) verwenden kann.

      4) So, gleich haben wir's ! :daumendrueck:
      Ich habe öfters gehört, dass ich das Formicarium bei Raumtemperatur (so 20-25°C?) halten soll und dass sich die Temperatur nicht stark verändern darf. Kann ich das ganze in meinem Zimmer lagern? Das Problem dort ist halt, dass ich Nachts über das Fenster aufmache und sich so die Temperatur schon ziemlich ändert.
      Ist das ok oder muss ich die Ameisen woanders unterbringen?

      Vielen Dank fürs Durchlesen schon Mal im vorraus, ich freue mich auf eure Antworten! :dankeschoen: :ant:
      Und ich entschuldige mich wenn ich etwas total offensichtliches angesprochen habe oder Fragen wiederholt habe ;D

      LG,
      Benni
    • Hi Benni,

      willkommen hier und schön, dass Du Dich erst informierst und dann los legst.
      Und frag ruhig, dafür ist das Forum ja da :thumbup:

      zum 1.) Ja das soll wohl wirklich die Krux mit Lasius niger sein. Und man kann wohl über die Futtergabe und Temperatur das Wachstum etwas herauszögern, aber nicht gänzlich stoppen. Zwar habe Ich auch schon anderes gehört, die überwältigende Mehrheit besagt aber genau das.

      Wenn Du bei einheimischen Arten bleiben willst, fällt Mir da spontan Formica fusca ein. Deren Volksstärke liegt, nach allem was Ich weiß, im oberen Hunderter- bis unterem Tausenderbereich.

      Vielleicht hilft Dir das hier ein wenig bei der Entscheidung:
      Welche Arten sind für den Einstieg geeignet?

      Messor barbarus wird auch gern genommen, bei denen ist die Gründung allerdings manchmal etwas heikel, sodass es ratsam ist, sich eine kleine Kolonie zuzulegen. Bei den meisten Shops geht das ja.
      Die kommen allerdings aus dem mediterranen Raum, da kommts dann ganz darauf an, wie Du zu dem Thema Einheimische vs. Exoten stehst. Die kannst Du nämlich nicht einfach mal so frei lassen, wenn Du sie warum auch immer nicht mehr haben magst.
      Das gilt zudem auch für gekaufte einheimische Arten.
      Siehe hier:
      Intraspezifische Homogenisierung und Infektionsgefahr durch exotische Ameisen

      Manch einer fängt auch direkt mit tropischen Arten an, wenn man aber keine großen Erfahrungen in Sachen Klimaregulierung hat, ist das in den allermeisten Fällen eine Fahrt gegen die Wand.

      zum 2.) Die Nester von MyAnts sind aus PLA und erfreuen sich wohl recht großer Beliebtheit. Allerdings weiß Ich nicht, ob PLA gleich PLA ist.
      Wenn Geld ein Faktor ist, ist Marke Eigenbau idR immer die günstigere Alternative. Einfache Anlagen lassen sich mit nem 10er Hand und ein bisschen Arbeit realisieren.
      Tutorials findet man dazu sackweise auf YouTube. Nach oben hin gibts natürlich keine Grenzen außer eben dem Konto und der eigenen Kreativität und handwerklichen Begabung.
      Und da gerade eh Winterruhe herrscht, hättest Du sogar noch ein bisschen Zeit ;)
      Letztendlich ist wichtig, dass die Anlage artgerecht, ausbruchssicher und für dich ästhetisch ist.

      zum 3.) Wenn sie den Apfel so fressen würden, ist auch der Apfelgriepsch kein Problem. Solange das Futter frei von Schadstoffen, Zusätzen und vor allem Fäule ist, kannst Du's ja mal probieren. Ameisen wissen schon sehr gut was sie mögen und was nicht. Und da jede Kolonie sowieso etwas anders tickt, heißts da experimentieren.
      Grundlegend sollten aber immer Kohlehydrate, Proteine und vor allem Wasser vorhanden sein.

      zum 4.) Die Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchtigkeit können von Art zu Art variieren. In der Regel reicht für einheimische Arten Zimmertemperatur aus, zu starke Temperaturschwünge im Tag/Nachtrhythmus könnten aber u.U. Stress für die Tiere bedeuten. Da heimische Arten aber ohnehin in den kalten Monaten zur Winterruhe gebracht werden, fällt die Temperaturdifferenz ja etwas kleiner aus.
      Im Zweifelsfall könnte man auch mit Heizelementen arbeiten, um auch nachts die Temperatur konstant zu halten.


      So, Ich hoffe Ich konnte Dir etwas weiter helfen.

      Kleiner Disclaymer am Ende: Ich bin auch noch nicht sehr lange dabei und mein Wissen stammt daher zum Großteil nicht aus erster Hand :saint:


      Beste Grüße,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Hi DrHering,

      willkommen im Café. Nur raus mit den Fragen, besser du klärst möglichst viel vorab :)

      Amazing Ralph hat ja das meiste schon sehr gut beantwortet, ich will nur ergänzend etwas Senf dazu geben:

      1) Je größer die Ameisen selbst sind, desto länger dauert das gesamte Wachstum. Sprich: Wählst du eine große Art, wird es Jahre dauern, bis diese mal ein paar Hundert Arbeiterinnen aufweist. Viele Camponotus-Arten erfüllen diesen Anspruch und sind recht einfach zu halten. Lasius niger ist v.a. als Einsteigerart so beliebt, da sie als sehr robust gilt und viele Fehler verzeiht.

      Insgesamt müsste man natürlich die Art genauer ansehen - die Gattung Camponotus birgt aber z.B. eine große Vielfalt und darunter einige langsam wachsende Arten oder solche, die einfach nicht sehr volksstark werden. Auch die angesprochenen Messor können je nach Art eine Weile brauchen, oder auch ein paar ausgewählte Formica-Arten. Daneben gibt es auch Arten, die einfach an und für sich nur winzige Kolonien ausbilden, wie z.B. diverse Temnothorax-Arten, diese sind ebenfalls recht anspruchslos zu halten.

      3) Unter "Bioabfall" verstehe ich hier frische Essensreste, das geht natürlich bedingt. Wie Ralph schon sagte, sollte das auf keinen Fall irgendwie vergoren, verfault oder schimmelig sein. Wenn du aber meinetwegen von Früchten die Schale mit Fruchtresten anbietest, etc.pp. ist das sicher möglich. Hier nur - wie du selbst sagst - beachten, dass konventionelles Obst und Früchte oft stark gespritzt sind - auch mit Insektiziten. Da es vorkommen kann, dass hier deutliche Rückstände zurückbleiben, alles besser gut vorab waschen (gilt ja eigentlich für den Eigenkonsum auch). Man sollte auch keine stark verarbeiteten Lebensmittel wie Wurst o.ä. anbieten, da hier oft eine Menge Zusatzstoffe drin sind, deren Wirkung auf Ameisen unklar ist. Dahingegen ist es sicher kein Thema, mal ein kleiens Stück Hackfleisch o.ä. abzugeben, wenn man sich gerade sowas zubereitet. Die Aussage: "Ameisen wissen selbst, was gut für sie ist" kann ich hingegen nur eingeschränkt teilen: Sie fahren vor allem sehr auf Süßes und proteinreiches ab und nehmen das ganz instinktiv auf. Und es ist ihnen dann auch reichlich egal, ob es sich um harmlosen Honig oder eben Ameisengift handelt. Sie fressen es... :thumbsup:
      Es stimmt aber natürlich, dass man schnell feststellt, welche Lebensmittel bei der eigenen Kolonie angenommen werden, da hat Ralph absolut recht. In der wärmeren Jahreszeit kann man auch einfach aus der Natur entnommene Insekten wie Fliegen etc.pp. anbieten, kostenlos und werden sehr gern genommen. Ich selbst investiere in Futter eigentlich auch nicht zusätzliches Geld, sondern nehme die Sachen, die ich ohnehin zuhause habe oder nutze eben Chancen, wie die nervige Fliege am Fenster... :evil:

      4) Der Punkt kommt sehr auf die Art an. Den einheimischen Arten wird es wenig ausmachen, wenn du nachts deutlich abfallende Temperaturen hast, das ist in natura ja auch in etwa so. Es gibt aber freilich auch Arten, denen man eine sehr homogene Umgebung (oft bei tropischen Arten) bieten muss, damit sie gesund bleiben. Die kannst du dann z.B. mit Heizgeräten wie Heizmatte oder Heizlampe (gibt´s auch ohne Licht) auf Temperatur halten und auch die Luftfeuchtigkeit sollte in den Fällen geregelt sein. Ich würde aber auch empfehlen, wenn man keine Vorerfahrung in Terraristik hat, einfach mal mit robusteren Arten zu starten, die sowas verzeihen.


      So, hoffe die bisherigen Antworten geben dir ein paar Impulse.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.