Ameisenforschung mit Serviformica rufibarbis

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    • Ameisenforschung mit Serviformica rufibarbis

      Hallo, wollte euch mein sehr interessantes Experiment mitteilen das durch viele Zufälle entstanden ist. (Hoffe das is die richtige Seite dafür)

      Hab im Jahr 2018 genauer im Sommer eine Serviformica rufibarbis gefunden und zur Gründung in ein RG gegeben. Dann hab ich sie wie es üblich ist bis zum Herbst in Ruhe gelassen und kein einziges mal nachgeschaut bis zur Winterruhe.

      Im Frühjahr 2019 (nach der Winterruhe) hab ich bemerkt dass sie noch kein einziges Ei gelegt hat. Die Winterruhe hat sie trotzdem gut überstanden. Aufgrundessen hab ich sie nochmal bis ca August 2019 in ruhe gelassen, jedoch hat sie absolut keine Eier gelegt.

      Zufällig hatte ich zu der Zeit gerade noch Lasius niger Puppen übrig, da leider die Königin zu derzeit eingegangen ist. Hab dann die Puppen auf mehrere Kolonien aufgeteilt und kam zum gedanken der rufibarbis auch ein paar Puppen zur "motivation" zu geben, die sie auch sehr "dankend" angenommen hat.

      Die Puppen sind dann zu meinem Überraschen wirklich geschlüpft (die Königin muss anscheinend bei der ersten Puppe die Hülle geöffnet haben).

      Paar Wochen später waren dann alle Lasius niger geschlüpft und die Winterruhe stand wieder an.

      Nach dem Auswintern im Jahr 2020 gab es immer noch keinerlei Eier oder sonst irgendwas. Jedoch ging es allen Lasius und der Serviformica rufibarbis Königin sehr gut und sie sind auch gut durch den Winter dieses Jahr gekommen.

      Heute (nachdem ich sie mal wieder füttern wollte) hab ich tatsächlich Lasius arbeiterinnen gesehen, die sich um ca 5-10 Eier kümmern. Ich nehm mal an dass die von der Serviformica rufibarbis Königin sind, weil woanders können sie nicht herkommen...

      Was findet ihr von dieser ungewöhnlichen Gründung? Was halten die Experten hier davon?


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    • Hi WinError,

      da wären natürlich ein paar Fotos zur Dokumentation mal ganz interessant, denn solche Fälle sind auch in der Haltung äußerst selten. Wäre sicher spannend, das mal visuell zu sehen :)

      Tatsächlich ist der Vorgang zwar sehr ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen. Beim Pushen mit Puppen sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Annahme seitens der bestehenden Kolonie, je "fremder" die zugegebenen Puppen sind.

      Es geht quasi nach dem Schema: Gleiche Art (z.B. Lasius niger zu Lasius niger) = Meistens kein Problem, gleiche Gattung (z.B. Lasius flavus zu Lasius niger): oft erfolgreich, gleiche Unterfamilie (z.B. Lasius-Puppen zu Formica, was deinem Fall entspräche)= meist nicht erfolgreich, andere Unterfamilie (z.B. Myrmica-Puppen zu Lasius) = nahezu ausgeschlossen.

      Da Lasius und Formica zur selben Unterfamilie (Formicinae) gehören, ist ein erfolgreiches Pushen also zwar sehr unwahrscheinlich, aber eben auch nicht unmöglich. Meist werden Puppen aus anderen Unterfamilien einfach nur als Futter gesehen oder sofort wieder entsorgt. Unter gewissen Umständen kann aber ein Schlupf stattfinden und die Mischkolonie damit für eine gewisse Zeit bestehen. Vermutlich waren die Puppen schon ganz gut gereift und sind recht bald geschlüpft nach der Zugabe?

      Es ist nun natürlich die Frage, ob der Verbund in dem Sinne "nachhaltig" ist, denn aufgrund der anatomischen Unterschiede ist es durchaus möglich, dass eine Versorgung der Formica-Brut nur in bestimmten Stadien (z.B. eben als Ei) möglich ist und später, wenn meinetwegen eine direkte Fütterung durch die Arbeiterinnen nötig wird, diese nicht erfolgen kann. Auch eine Fütterung der Formica-Gyne durch die Lasius-Arbeiterinnen halte ich für äußerst unwahrscheinlich und würde das nur glauben, wenn ich einen Foto- oder besser Videobeweis vom Fütterungsvorgang bekomme.

      Daher kann man quasi sagen, dass hier eine Art Koexistenz wahrscheinlicher ist, als ein echtes Zusammenleben - denn bei den Unterschieden in Hinsicht auf Anatomie, Lebensweise und Kommunikationsformen zwischen Angehörigen von verschiedenen Unterfamilien wäre es schon höchst eigenartig, wenn hier eine "echte" Koloniebildung stattfinden würde, mit allem was dazu gehört. Man kennt sowas eher von Lasius niger und Lasius flavus Mischkolonien, von denen man öfter mal was gelesen hat - auch hier ist das eher eine Koexistenz, wegen der doch sehr verschiedenen Lebensweisen - und die beiden sind genetisch etc. noch deutlich näher beieinander als Lasius und Formica.

      Eine Gefahr gibt es noch: Es kann auch später noch zu Aggressionen zwischen den Vertretern verschiedener Arten kommen, aber auch das ist kein Muss. Mag sein, dass die Lasius-Arbeiterinnen und die Formica-Gyne friedlich bleiben und erstere bis zu ihrem natürlichen Tod in der Kolonie verweilen.


      Letztendlich fände ich Updates und wie gesagt auch Fotos hier wirklich spannend. Du kannst gern einen weiterführenden Bericht darüber schreiben, wenn du magst, denn das Thema, ob die Brut sich denn auch entwickelt und gut umsorgt wird, wäre hier schonmal eine erste Hürde und später, was passiert, wenn erste Formica-Arbeiterinnen hinzukommen.
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Ameisenforschung mit Serviformica rufibarbis

      [mention]ice_trey [/mention] Fotos kommen natürlich noch momentan leider nicht wirklich gut möglich da das reagenzglas doch schon 2 Jahre alt ist und daher sehr sehr verdreckt ist. Nach dem Umzug in ein neues RG kommen dann die Fotos versprochen muss halt schauen wie lang das dauern wird.

      Zum Punkt füttern der Königin: Wie die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind und sie von mir erstmals gefüttert wurden hab ich schon beobachten können wie ein Lasius Arbeiterin die Königin gefüttert hat. Leider war ich zu dem Zeitpunkt zu langsam mit der Kamera und hab kein Foto bzw Video ergattert.

      Ob und wie sich die Eier entwickeln wird sich zeigen. Werde natürlich dann wieder ein Update veröffentlichen. ;)


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    • Was für mich noch ein Risiko Punkt ist, selbst wenn sich die neuen Eier zu Larven entwickeln konnten
      und sich erfolgreich verpuppt haben, werden sie dann auch rechtzeitig ausgepackt?
      Da hatten Camponotus herculeanus Arbeiterinnen schon Probleme bei Camponotus ligniperda.

      Das ganze bleibt spannend, Fotos wären wirklich gut.
    • Musst mich jetzt hier anmelden, da ich fast genau die selbe Ausgangssituation habe

      Formica rufibaris von 2018
      2019 in Arena+Nest gezogen mit 4 Pygmäen und ohne Eier
      Winterruhe gemacht
      Vor nem Monat (nie jemand gesehen) hab ich Nest austrocknen lassen und nach ner Woche war Queen + die 4 Pygmäen (rappeldürre) in RG gezogen...ohne Eier☹️

      Dannach von einer verstorben Lasius fuliginosus die Lasius cf. irgendwas Puppen vor Verzweiflung ins rufibaris Reagenzglas getan.
      Auch wenn keine Lasius bis jetzt 'lebendig' ist...die rufibaris hat Eier

      Ich seh grad, da ist jetzt auch was larviges drin.
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