Tote Lasius niger Königin, aber alle Arbeiterinnen leben

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    • Tote Lasius niger Königin, aber alle Arbeiterinnen leben

      Hallo,
      Ich habe folgendes Problem, im letzten Jahr habe ich mir zwei Lasius niger Kolonien zu gelegt(zwei einzelne Königinnen auf dem Hochzeitsflug gefangen), sie haben den Winter gut überstanden und im Frühling auch fleißig angefangen weitere Eier zu legen und aus diesen schlüpften sehr bald neue Larven und diese entwickelten sich zu kräftigen arbeiterinnen, vor 5 Tagen starb dann leider meine eine Königin. Die Nester der Ameisen sind immer noch reagenzgläser, und ich entdeckte, dass eine Arbeiterin es scheinbar geschafft hatte sich durch die Watte zu fressen und eine in dem Wasser ertrunken war, allerdings war die am Tag vorher 100% noch nicht da, ich halte es also für sehr, sehr unwahrscheinlich, dass die Königin an dem "verseuchten" Wasser gestorben ist. Ich habe an dem Setup bis gestern nichts geändert um zu testen, ob es vielleicht doch am Wasser lag und in den folgenden Tagen sind 5 andere Ameisen in dem Wasser ertrunken, aber keine andere ist auf andere Weise gestorben. Mittlerweile habe ich mit einem Wattebausch das Loch zum Wasser verstopft. Meine Hauptfrage wäre jetzt, woran die Königin gestorben sein könnte, ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass es an meinem Setup liegt. Könnte sie vielleicht einfach irgendeine angeborene Krankheit haben? Ihr Winterschlaf war leicht verkürzt, nur 2 1/2 Monate, aber ich habe Haltungsberichte gelesen, wo die Ameisen mehrere Jahre ohne Winterschlaf überlebt haben.

      Die nächste Frage ist, was ich jetzt mit den Hinterbliebenen mache, ich hatte eigentlich vor sie einfach alle Glücklich zu halten, bis sie sterben, aber sie haben ihr essen am Sonntag und gestern nicht angenommen, ihre Gäste sehen allerdings eher leer als voll aus. Sie kümmern sich generell, wenn überhaupt, nur um die Brut, als ich die Alufolie runterzog haben sie nicht wirklich anstalten gezeigt die Brut vor dem Licht zu verstecken. Ich habe keine einzige außerhalb des Reagenzglases(nest) gesehen. Meine Zweite Königin allerdings hat viel mehr Arbeiterinnen, und ich habe überlegt die beiden Arenen miteinander zu verbinden, da mich ein Kampf zwischen den beiden Kolonien schon interessieren würde, haltet ihr das für moralisch vertretbar? Ich kann mir nämlich ehrlich gesagt keine andere Situation vorstellen, mit der man so einen Kampf besser rechtfertigen könnte.

      Danke schonmal im Vorraus für eure Antwort,
      LG Luciel
    • Hallo Luciel,

      ist ja erstmal sehr schade, dass deine Gyne verstorben ist.
      Woran das liegt, kann man nicht genau sagen. Es ist durchaus möglich, dass sie einfach zu schwach war. Das ist eben so eine Sache in der Ameisenhaltung, da kann kein Tierarzt drüber gucken und sagen, ob alles gut und gesund ist.
      Auch kann es sein, dass ihr die verkürzte Winterruhe nicht bekommen ist. Man liest zwar viel darüber, dass Winterruhen ausgelassen werden, über die Fälle, in denen die Tiere daran zu Grunde gegangen sind, aber nicht. Die Ruhe gehört eben zum natürlichen Leben der Tiere dazu, diesen Fluss zu stören kann für sie sehr anstrengend bis tödlich sein.

      Wie waren denn die Temperatur und Luftfeuchte bei den Ameisen?
      Was haben sie gefressen?
      Lagen die RGs vielleicht in der Sonne oder in einem Schubfach, wo Stauwärme entstehen kann?

      Lasius niger gilt zwar als ungemein zäh, aber auch das hat seine Grenzen.

      Zu deiner zweiten Frage:
      Die Arbeiterinnen kannst Du weiter halten wenn Du willst, auch wenn sie die Aktivität weiter einschränken werden.
      Ohne Königin und Kolonie sind sie ohne Zweck und werden dem Schicksal ihrer Mutter bald folgen.
      Was Du versuchen kannst ist, die noch vorhandene Brut mit einem feuchten Pinsel aus dem RG zu fischen und sie der anderen Kolonie anzubieten.
      So würdest Du die Kolonie weiter stärken und einen weiteren Verlust aktiv entgegen wirken.

      Von einem Kampf der Kolonien würde Ich Abstand nehmen.
      Zum einen aus haltungsethischen Gründen, auch wenn es "nur" Insekten sind, es sind Lebewesen, für die Du die Verantwortung übernommen hast und sie aufeinander zu hetzen ist in meinen Augen Barbarei. Auch so eine Situation rechtfertigt das nicht.
      Zum anderen besteht dabei die Gefahr, das Brut und vor allem die Königin der noch wachsenden Kolonie Schaden nehmen und Du so am Ende beide Kolonien verlierst.


      Beste Grüße und schön gesund bleiben,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Hallo Ralph,
      Danke für die schnelle Antwort, also die Luftfeuchtigkeit weiß ich nicht genau, die Temperatur war bei 22 Grad, ich halte sie in Reganzgläsern, die an Hariboschachteln befestigt sind und in diese münden. Diese "setups" stehen in einem Aquarium in dem sie besagten 22 Grad herrschen. Sie bekommen generell Honig und mehlwürmer bzw. Seit 4 Wochen oder so mehlkäfer, da mir erstere ausgegangen sind, hin und wieder gibts auch andere Insekten, hatte ich aber in letzter Zeit eher selten.
      An den Mehlkäfern kann es nicht liegen, oder?
      LG Luciel
    • Ich denke eher nicht. Vielleicht schaust Du mal genau nach, ob die Arbeiterinnen der verstorbenen Königin von Milben befallen sind?
      Das könnte auch ein Faktor sein, der junge Kolonien in die Knie zwingen kann.


      Beste Grüße und schön gesund bleiben,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Hi Luciel,

      leider ist die Todesursache von Ameisenköniginnen nicht immer ersichtlich. Es kommt in der Haltung leider immer wieder vor, dürfte wohl kaum einen geben, dem nicht schon eine Gyne weggestorben ist, auch nach der Gründung. Die übrig gebliebene Kolonie kann man noch bis zu ihrem natürlichen Ende halten, die Brut in eine neue Kolonie übertragen, wo sie etwas sinnvoller weiterleben kann.

      Letztendlich kommen von offensichtlichen oder versteckten Haltungsfehlern, über Endo- und Exoparasiten, Krankheiten, bis zu genetischen Defekten einige Gründe in Frage, warum Königinnen versterben können. Wenn der Rest der Kolonie überhaupt nicht betroffen ist, kann man normalerweise davon ausgehen, dass es kein Haltungsfehler war, da die Gynen in vielen Fällen mit als letzte sterben, wenn es wirklich fehlerhafte Parameter gibt. Auch ist dann im Normalfall ein hohes Arbeiterinnen und/oder Brutsterben zu sehen, was bei dir ja nicht der Fall ist.


      Luciel wrote:

      Ihr Winterschlaf war leicht verkürzt, nur 2 1/2 Monate, aber ich habe Haltungsberichte gelesen, wo die Ameisen mehrere Jahre ohne Winterschlaf überlebt haben.
      Das mag sein, aber die Winterruhe (nicht Winterschlaf, kleiner Unterschied, denn die Ameisen schlafen nicht die ganze Zeit ;) ) ist für die Ameisen elementar. Sie haben sich über viele Millionen Jahre an die Bedingungen in ihren jeweiligen Herkunftsländern perfekt angepasst. In der Haltung sind einige Halter leider etwas ungeduldig, es fällt natürlich schwer, sich 6 Monate von seinem Hobby weitestgehend zu verabschieden.

      Es ist im Normalfall auch kein Schaden, die Winterruhe etwas zu verkürzen. In freier Natur findet diese bei uns im Normalfall von Oktober bis März statt, natürlich mit Schwankungen. Man kann die Winterruhe recht bedenkenlos auch von November bis Februar durchführen, das mache ich selbst eigentlich immer so. Das sind natürlich nur Richtwerte, in denen eine Verkürzung im Normalfall ohne jeglichen Effekt aufgenommen wird. Verkürzt man zu stark oder lässt die Winterruhe ganz aus, kann ein erhöhtes Arbeiterinnen -und Brutsterben die Folge sein und leider ist das auch nach Nachbohren nicht selten der Grund, warum im Folgejahr Halter plötzlich "unerklärliche" Probleme haben.

      Die Aussage "sie haben überlebt" ist daher auch etwas zu kurz gefasst, denn es ist natürlich schwer nachzuvollziehen, ob Arbeiterinnen mit einer anständigen Winterruhe vielleicht wesentlich länger gelebt hätten oder ob es mehr und sich besser entwickelnde Brut gegeben hätte. Das wird man abschließend nie beurteilen können. Fakt ist aber, dass man Ameisen so halten muss, wie es ihren natürlichen Lebensweisen am besten entspricht, dazu gehört hierzulande dann eben leider auch eine mehrmonatige Winterruhe bei kühlen Temperaturen von unter 10°C.


      Luciel wrote:

      Ich habe keine einzige außerhalb des Reagenzglases(nest) gesehen. Meine Zweite Königin allerdings hat viel mehr Arbeiterinnen, und ich habe überlegt die beiden Arenen miteinander zu verbinden, da mich ein Kampf zwischen den beiden Kolonien schon interessieren würde, haltet ihr das für moralisch vertretbar? Ich kann mir nämlich ehrlich gesagt keine andere Situation vorstellen, mit der man so einen Kampf besser rechtfertigen könnte.
      Du bist noch Schüler und jung, daher werfe ich dir die Idee kaum vor - denn sich moralisch zu entwickeln dauert seine Zeit und bestenfalls hört diese Entwicklung auch nie auf. Es ist aber NIE moralisch vertretbar, Tiere gezielt gegeneinander antreten zu lassen, egal ob es nun um Hunde, Hähne oder Ameisen geht. Die Ameisen also gegeneinander zu hetzen, sie sich gegenseitig verletzen, mit Säure verätzen, und töten zu lassen, dabei darüber hinaus noch die gesunde Kolonie und deren Mitglieder zu gefährden ist entsprechend moralisch schlicht falsch. Du bist als Halter auch kein kleiner Gott, der über Wohl und Wehe seiner Schützlinge (!) entscheiden sollte, wie es ihm beliebt.

      Bitte nicht falsch verstehen, ich meine das nicht böse, sondern möchte dich nur darauf hinweisen, dass du als Halter jeglicher Tierart eine Verpflichtung eingehst, diese nach bestem Wissen und Gewissen zu pflegen und zu schützen, egal um welche Tierart es sich handelt. Tatsächlich wäre es in dem Fall hier sogar humaner und moralisch besser vertretbar, die Überreste dieser Kolonie zu überbrühen (Tod nach einer Sekunde), als irgendwelche Kämpfe auszufechten und die Ameisen langsam krepieren zu lassen.

      Wenn du sowas mal beobachten willst, empfehle ich dir, mit offenen Augen raus in die Natur zu gehen, dort wirst du reichlich solcher Vorgänge sehen können. Es steht vollkommen außer Frage, dass Ameisen faszinierende Kriegstraktiken und Strategien entwickelt haben und einsetzen und dass sie uns Menschen dabei kaum nachstehen - das Formicarium ist aber kein geeigneter Ort, sowas zu erforschen.




      Luciel wrote:

      Danke für die schnelle Antwort, also die Luftfeuchtigkeit weiß ich nicht genau, die Temperatur war bei 22 Grad, ich halte sie in Reganzgläsern, die an Hariboschachteln befestigt sind und in diese münden. Diese "setups" stehen in einem Aquarium in dem sie besagten 22 Grad herrschen. Sie bekommen generell Honig und mehlwürmer bzw. Seit 4 Wochen oder so mehlkäfer, da mir erstere ausgegangen sind, hin und wieder gibts auch andere Insekten, hatte ich aber in letzter Zeit eher selten.
      An den Mehlkäfern kann es nicht liegen, oder?
      Das Setup ist vollkommen in Ordnung, so wie es sich anhört. Auch das Futter ist vollkommen Standard in der Haltung, glaube nicht, dass es daran liegt. Wie gesagt gehe ich in dem Fall auch gar nicht von einem Haltungsfehler aus. Schade um die Gyne, aber das passiert eben, wie beschrieben. Alles Gute für die zweite Kolonie! :daumendrueck:
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • Hallo,
      Danke für die ausführlichen Antworten, ich werde es wohl einfach so annehmen und hoffen, dass die andere Kolonie es überlebt. Von der Idee des aufeinanderhetzen habe ich schon nach Ralphs Kommentar abgelassen. Die tote Königin liegt noch im Nest und ich komme nicht wirklich an sie ran ohne ein Pinsel, bzw. Pinzetten-Massaker zu verrichten, deswegen lasse ich das mal so, die Ameisen werden grade aus irgendeinem Grund wieder Aktiver und ich habe beschlossen mich mal ein wenig umzusehen, ob ich vllt. eine Parasitäre Jungkönigin finde, wenn nicht werde ich versuchen der Kolonie noch ein schönes restliches... vegetieren zu bescheren und sie ein wenig als Nahrungsmitteltester zu verwenden.
      Ich wünsche euch noch einen Schönen Tag und Hoffe auf vergebung für die Idee sie aufeinander loszulassen, im Nachhinein echt dämliche Idee,
      LG luciel
    • Nabend Luciel,

      Luciel wrote:

      Hoffe auf vergebung für die Idee sie aufeinander loszulassen
      Alles gut. Ich hatte früher auch mal die Idee, zwei Völker zu halten und diese gegeneinander antreten zu lassen.
      Als Ich dann angefangen habe, Mich mehr und mehr mit der Materie zu befassen (und auch etwas älter geworden bin) habe Ich das sehr schnell verworfen.

      Und hey, Du hast wenigstens vorher gefragt und nicht einfach mal los gelegt, das ist doch was Gutes :gutgemacht:

      Beste Grüße und schön gesund bleiben,

      Ralph
      Alma Mundi @ work
    • Luciel wrote:

      Hoffe auf vergebung für die Idee sie aufeinander loszulassen, im Nachhinein echt dämliche Idee,
      Achwas, du musst sicher keine Abbitte leisten, so war das nicht gemeint. Wir wollten dich nur auf den moralischen Aspekt dahinter hinweisen, mehr nicht.

      Wie du selbst sagst, kannst du den Rest der Kolonie vielleicht sogar noch sinnvoll einsetzen. Lasius fuliginosus z.B. schwärmt noch mehrere Monate, da ist so eine weisellose (königinnenlose) Kolonie perfekt als Wirtskolonie geeignet. Manchmal hätte ich mir gewünscht, ich hätte so eine Reservekolonie da, statt Teile vorhandener Kolonien für sowas abzwacken zu müssen...
      Träume den unmöglichen Traum, besiege den unbesiegbaren Feind, strebe mit deiner letzten Kraft nach dem unerreichbaren Stern.
    • was eventuell noch interessantes zu beobachten gäbe: vielleicht fangen die Arbeiterinnen nun an (unbefruchtete) Eier zu legen....daraus werden nur Männchen, aber ich glaube es kann beim Tod einer Queen durchaus so kommen...